Zwei Naturen

Mein Leben hat diesen roten Faden.

Einen Teil des Tages habe ich es leicht, mich von meiner besten Seite zu zeigen, aber den anderen Teil bin ich ein zurückgezogener Sturkopf.
Man wird mich Regeln und Gesetze einhalten, aber auch genau so viele herausfordern sehen.
Meine Vorliebe für die großen Geräusche in Filmen ist eben so real wie meine Schreckhaftigkeit in bestimmten Situationen.
Mein Raum kann schon mal in Unordnung untergehen, aber umso lieber habe ich dann das Aufräumen.
Man kann mich beobachten wie ich Leute vollquatsche, aber es gibt Momente in denen ich kein einziges Wort sagen mag.
Reisen liebe ich so sehr, wie ich einen ganzen Tag in meinem Zimmer alleine verbringen kann.
Umarmungen zählen zu meinen Leidenschaften, jedoch können Berührungen manchmal unerträglich sein.
Man wird mich die kreativste Lösung zu einer Aufgabe finden sehen, aber eine Stunde später frage ich dann nach den grundsätzlichsten Dingen.
Eines meiner Gesichter ist gut vorzeigbar, das andere bekommen nicht viele zu Gesicht.

Warum das so ist, konnte ich mir nie beantworten. Bis vor Kurzem.

 

Was ist die Form einer Person?

Eine Person hat einen Umriss. Wie in einem Malbuch, wo die Linien eine Form vorgeben und man sie nur noch ausmalt.
Man entscheidet selbst, welche Form und welche Größe man im eigenen Leben ausfüllen, anstreben und als welche man erscheinen möchte.
Wahrscheinlich sind die Formen von uns Menschen annähernd menschenförmig. Und das ist einfach die Art, wie wir an den Orten an denen wir uns finden leben.
Aber es ist immer die äußere Grenze unserer Form, wo es wirklich interessant wird und wir Arbeit mit der Umgestaltung haben.

Wenn wir uns nicht gerade in bewusster Selbstentwicklung befinden, besuchen wir diese Grenzen unfreiwillig: Außerhalb unserer bestimmten Komfortzone, in Krisen, beim Reisen generell, wenn wir unser Umfeld verändern oder uns aufwühlende Erlebnisse konfrontieren.
Dann entscheiden wir uns zum Halten, Erweitern oder Umformen, mit den frisch gewonnenen Erkenntnissen von uns selbst.

Und das ist völlig okay und ein unabdingbarer Prozess im Leben.
Wenn man jedoch mehr neblige Fragezeichen als greifbare Eindrücke von diesen Besuchen davonträgt, hinterlässt das einen verwirrt, frustriert und planlos.

In meinem Leben bin ich auf sehr viele dieser Fragezeichen gestoßen, wann ich auch immer an meinen Umriss kam. Aber dieser Umriss war doch immer mit Bedacht gewählt und kam allen meinen Wertvorstellungen nach.

 

Die Frage nach dem Warum

Klar, wenn man einer Frage begegnet, muss es auch eine Antwort geben. Nur konnte ich zu den aufkommenden Fragen keine Antworten finden:

Warum genau kann ich nicht wie alle anderen auf Partys gehen?
Warum fühle ich mich so extrem gestört wenn ich nicht vor dem Lokalradio fliehen kann, aber bin der RaveKing auf dem Festival?
Warum liebe ich Regeln so sehr, bin aber gleichzeitig dafür bekannt, dreimal um die Ecke zu denken?
Warum sind Klassik und Glitch Hop bei mir in der selben Playlist?
Warum friere ich ein, wenn mir jemand plötzlich etwas zu trinken anbietet?
Warum kann ich den ganzen Tag Liebe geben, habe aber etwas später keine Energie für ein Lächeln?

Diese Fragen scheinen albern ohne den direkten Kontext, können aber sehr wehtun wenn man dafür keine Antwort hat.

Für mich bedeutete das, dass ich mich an den meisten Tagen, also den guten Tagen, nicht um diese Fragen sorgen musste.
Aber sobald ich an diese nebligen Gebiete kam, hatte ich Schwierigkeiten zu begreifen wer oder was ich wäre, denn dort wurde mein Umriss einfach nur infrage gestellt. Das waren die seltenen, aber dafür umso intensiveren schlechten Tage.

Schon sehr früh habe ich mich dafür entschieden, den schlechten Tagen nicht zu viel Raum in meinem Leben zu geben. All mein Streben und meine Optimierungen hatten ein Ziel: Mehr gute Tage haben.
Aber das hat die Fragen auch nicht gelöst, denen ich immer und immer wieder begegnete.

 

Die erklärende Sache

Einst fand ich heraus, dass es da eine Sache gab die erklären könnte, woher meine gegensätzlichen Sonderlichkeiten und komische Verteilung meiner Schwächen und Stärken kam: Das Autismus-Spektrum.

Es ergab einfach Sinn und barg Antworten zu beinahe allen Fragezeichen meines Lebens, würde jedoch zwei Sachen erfordern:
Erstens die offene Akzeptanz meiner verborgenen Emotionen und zweitens die Umdeutung meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Auch würde es ein Brocken für die sein, die mein anderes Gesicht nicht wirklich gekannt haben und dann mehr Fragen als Antworten aufkommen lassen. Und weiter: Ich wollte mich nicht an eine Erklärung klammern für Dinge in meinem Leben, die ich gerade zu umgehen lernte.

Und so wurde diese Sache eher eine Erklärung in der Hinterhand für die schlechten Stunden und funktionierte als beruhigendes Mittel, wann auch immer ich darauf zurückgriff.

 

Wendepunkt

Das Leben war ja nicht schlecht, bei Weitem nicht, wie der Blog bezeugen kann, aber die gräuliche Zone mit allen Fragezeichen und der schwerwiegenden Erklärungstheorie waren auch immer da und das alles konnte nicht aus meinem eigenen Kopf herauskommen.

Viele Jahre der Optimierung meiner eigenen menschlichen Form, aber nie Auflösung der ganzen wunderlich verbundenen Fragezeichen gingen ins Land und da entschied ich mich, loszuziehen und es herauszufinden: Ist meine langgehegte Antwort wahr oder nicht? Welche Teile meines Lebens werden sich verändern, egal was der Ausgang ist?

Und so zog ich los. Nach langen Wartezeiten (irgendwie ist die letzten Jahre die Nachfrage an psychologischer Hilfe gestiegen) bekam ich

 

Die Antwort

Asperger.
Eine Form von Autismus, eine Anomalie in der Entwicklung, die mit einer Leidenschaft für Routinen und Regeln, gut entwickelten sprachlichen Fähigkeiten, Schwierigkeiten im intuitiven Begreifen sozialer Situationen, einem Auge für Details und ebenfalls mit einer extrem erhöhten Sensibilität für Geräusche, Gerüche, Vibrationen und Inkonsistenz einhergeht.

Die Symptome bei jedem Menschen mit Autismus weichen ab, denn man wächst in unterschiedlichen Häusern auf, findet unterschiedliche Weisen mit ihnen klarzukommen indem man seine Fähigkeiten nutzt und man teilt die eigenen Herausforderungen unterschiedlich mit.
Manche sind sich schon seit der Kindheit bewusst, dass sie sich auf dem Spektrum befinden, manche finden das erst später im Leben heraus.

Meine Reise brachte mich vor ein paar Monaten zur Antwort.
Nun gibt es viele Dinge die ich klar sehen kann, viele Situationen die ich neu eingeschätzt habe, grundlegende Verbesserungen und die Gründe für so manche meiner Paradoxa.

 

Die Reise

Von so mancher Reise habe ich euch auf diesem Blog erzählt und es sind noch ein paar an der Reihe. Eine davon ist nun diese, von der ich nicht wusste dass ich mich mein ganzes Leben auf ihr befand.
Die Reise des bewussten Verstehens meiner selbst und wie ich funktioniere und wie ich es schaffe, Menschen glücklich zu machen.

Und auch diese Reise möchte ich mit euch teilen.

Das Ende des Archivs Teil 2

Könnt ihr euch noch daran erinnern, als ich voll davon war, meinen Lebensraum zu entrümpeln?
Damals war mir klar, dass ich nach meiner Rückkehr mein Leben in gewisser Weise anders leben würde. Und was ist daraus geworden?

Nun, die Grundidee war mich selbst neu zu definieren, denn die eigenen Besitztümer formen einen ja zu einem gewissen Grad.
Und es fühlt sich tatsächlich so an, als wären so einige schimmlige alte Elemente verschwunden, wodurch ich mich viel leichter auf das Hier und Jetzt und Morgen konzentrieren kann.
Nicht nur das, denn ich habe gleich am Tag nach meiner Ankunft bei meinen Klamotten weitergemacht. Noch waren kaum welche im mystischen Wäschezyklus verschwunden, und so holte ich alle sie aus den Schränken und joa…wer braucht schon 80 Paar Socken? 😀

Und ich fuhr fort: Meine Sammlung an Wertgegenständen konnte ich nun viel klarer sehen, ohne alles Zeugs drumherum: Was verkauft werden könnte, was ersetzt werden könnte, was ich tatsächlich auch mal benutzen könnte.
Optimierung ist der Begriff. Jetzt habe ich einen ordentlichen Monitor vor mir, ein angemessenes Paar Front-Lautsprecher und einen Blitz für die Kamera mit einem richtigen wiederaufladbaren Akku. Fühlt sich gut an!

Am wichtigsten aber ist, dass ich meine ToDo-Liste™ aus Dingen die ich mir selbst oder anderen vor Zeiten mal versprochen hatte, mal so richtig zerstört habe.
Das ist so ziemlich der Gipfel der Errungenschaften. Ich konnte viel klarer priorisieren und hatte nicht mehr so viele Leichen im Keller, wie man so schön sagt, die mich davon abhielten mich den lange aufgeschobenen Vorhaben zu stellen, welche auf passive Weise eine schlierige Zukunft aus „Dingen die ich mal tun sollte“ für mich formten.

Jetzt sind viele von diesen Dingen getan, gelöscht, in Termine oder Flugtickets umgewandelt und an manchen Tagen habe ich gar das Gefühl, spontan sein zu können. Freunde zu besuchen, ultra unnötigen Beschäftigungen nachzugehen oder das nächste langgehegte Vorhaben zu erschlagen und von einer weiteren Sorge frei zu sein.

Nie hätte ich gedacht, dass dieses halbe Jahr so eine tiefe und epochale Wirkung auf mein Leben haben würde. Ein Grund mehr, dankbar zu sein und zu sehen, wie Sir Oliver Evolves.

Das Ende des Archivs

Sich mit seinen eigenen Taten zu überraschen ist ein seltenes Phänomen, zumindest für mich.
Die meiste Zeit meines Lebens habe alles darangelegt, Dinge zu erhalten und meine Habschaft und Routinen und „mein Zeug“ zu schützen.

Mein nostalgisches Ich würde nie geliebte Schätze wegschmeißen. Neeiiin mein Herr! Das würde ja womöglich den materialisierten Verlust einer Erinnerung bedeuten oder gar schlimmer: Die gefürchtete Situation, wo man etwas braucht was man nicht mehr besitzt.

All so ist mein Archiv dann gewachsen. Alles, was ich je mein Eigen genannt habe, lagerte ich ein. Manches nicht allzu lange, auch ersetzte, verkaufte oder entsorgte ich manches manchmal.
Aber ich hielt stets meine Hände über die alten Schätze, noch aus Grundschulzeiten und sogar noch von davor. Sowas kann man doch einfach nicht wegwerfen!

Von allen Dingen die ich besitze, war das immer so eine Art Bodensatz. Dinge die einfach so da waren, mit verblassenden Erinnerungen belegt und die VIEL Platz in Schränken und Schubladen einnehmen.
Aber es war schon recht beruhigend, weil ich immer wusste dass ich Gesuchtes auch finden würde, denn weggeworfen könnte ich es ja nicht haben. Nur das Finden war ein Vorgang für sich, denn diese Art Archiv war nicht sonderlich gut sortiert…

So habe ich dann auch mein Zuhause verlassen, um ein halbes Jahr woanders zu leben. Ich packte meine Sachen, die ich brauchte und habe nur die großen Dinge zurückgelassen, wie das Heimkino und alle Möbel. Zusätzlich auch den Bodensatz, den ich ja auf der Reise nicht gebrauchen konnte.

Es ergab sich so, dass ich für ein Wochenende doch wieder zurückreiste.
Komisches Gefühl, nachdem man sich verabschiedet hatte doch wieder zurück zu sein. Es war schön. Und da ich ein wenig freie Zeit zur Verfügung hatte und ohnehin noch ein paar Dinge mitnehmen wollte, schaute ich so mein Zeug an und mir dämmerte es langsam: Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt, mir mein Zeug mal WIRKLICH anzusehen.

Weil alle Sachen auf der anderen Stelle schon bewiesen hatten, für ein gutes Leben auszureichen und da ich noch einen halben Tag Zeit hatte, machte ich mich ran.

Ich habe einfach alles, was in meinem Besitz war, aus Schränken, Regalen, Kisten und dunklen Ecken hervorgeholt.

Als ich angekommen war, war mein Zimmer noch so sauber wie nie.
Jetzt herrschte aber die größte Unordnung! Absichtlich nur, denn das war MEINE Unordnung, und ich wollte diese in der begrenzten Zeit zu Hause aufräumen.

Eine Person besteht aus mehreren Elementen, von denen eines die materiellen Besitztümer sind. Die Natur dieser Dinge definiert dabei einen Teil der Natur dieser Person.
So oft ich auch während meiner Reise, meiner Entwicklung und meiner persönlichen Reise Elemente meiner Vergangenheit wiederentdeckte, so sehr hielt ich aber auch an den Dingen fest, die mir vor Zeiten einmal wichtig waren.
Aber manchmal kann es sehr befreiend sein, von Dingen loszulassen.

Nur selten fliegen Stunden so schnell wie in solchen Momenten.
Dazu fühlte es sich an wie eine Zeitreise! Und weil ich wusste, dass ich diese Dinge nicht für mein Leben brauchte, war ich in einer fruchtbaren Stimmung des Wegschmeißens.

Am Ende waren es zwei Müllsäcke voller Erinnerungen und über 20 Kilo Papier, die in die Tonne wanderten.
Manche Sachen gingen in den Spielzeugpool meiner Neffen und Nichte über, eine sehr kleine Anzahl von Dingen behielt ich und so manchen Schatz überließ ich Papa, für die Werkstatt oder doch zur Entsorgung. 

In der Nacht konnte ich kaum schlafen, denn mein Kopf war noch ganz beschäftigt die Übermaßen an Eindrücken zu verarbeiten, die ich ihm aufgetischt hatte.
Aber eine Sache war im Vordergrund: Erleichterung! Ich würde nicht nur in einen aufgeräumten und piekfeinen Raum zurückkehren, sondern weiß jetzt auch über jedes Ding, was ich besitze Bescheid, ohne dass es eine verklumpte Masse ist – ein schwerer Bodensatz eben.

Bonus: Jetzt kann ich endlich die Reise-Shampoos aufbrauchen und die Popcorn-Kerne und die Dosen Jackfruit, die ich mal im Orakel fand!

Viele Leute machen sowas schon regelmäßig, was eine wunderbare Gewohnheit ist!
Aber ich hatte immer Angst davor. Meine Vergangenheit rauszuschmeißen schien so bedrückend und nie standen die Sterne dafür so günstig wie an diesem Wochenende.
Nun wird es einfach sein. Weil die Dinge, die ich aussortiere, eben nicht uralt oder nostalgisch wertvoll sein können.

Eigentlich habe ich das in anderen Bereichen schon angefangen, in den letzten Wochen.
Meine Ordner auf der Festplatte meines PCs sind nun sortiert und all meine digitalen Sammlungen und sogar auf Arbeit kann ich diese dankbare Aufgabe ausführen.

Es tut wohl, einmal wirklich Klar Schiff zu machen und den Blick in die Zukunft zu schärfen, da es nun einen ganz bestimmten Flecken weniger gibt, auf den man zurückschauen kann.
So hat der Name meines Blogs wieder einmal Recht bekommen: Sir Oliver Evolves!

Kaltstart

Ein Monat geht schnell vorbei.

Schneller noch, wenn man jeden Tag neue Erlebnisse hat. Und dieser Monat ist keiner von solchen, deren Zeit verschwendet ist, ganz im Gegenteil.
Ich glaube, ich habe sehr viele Dinge in gewisser Weise zum ersten Mal gemacht und habe unerforschte Pfade in meinem Kopf einschlagen können.
Das ist vielleicht der Schlüssel zur Zeit: Je mehr Erinnerungen man hat (also erinnerungswürdige Momente), desto mehr hat man die Zeit ausgekostet.

Es ist aufregend, an einem neuen Ort zu leben und das Leben um neue Gegebenheiten herum zu bauen. Und ich muss schon sagen: Diese Gegebenheiten sind sehr fein und dafür bin ich dankbar.

Und trotz dem dass ich in einer neuen Stadt wohne, bin ich nicht annähernd so viel draußen gewesen, wie ich gewollt hätte.
Das liegt nämlich and der Kälte und and dem Grau, die mich draußen empfangen. Aber dennoch habe ich einige Spaziergänge gemacht und es sehr genossen bis jetzt.

Ich habe mich sogar der Tortur ausgesetzt, meine Hände aus den Taschen zu nehmen und an die Kamera zu legen.
Leid und Schmerz waren es aber wert und das möchte ich heute mich euch teilen: 

Die Tage sind immer noch kurz, aber an manchen ist nach der Arbeit noch genug Licht übrig, um die Sehenswürdigkeiten rundherum zu erkunden.

Und oh, wie sehenswürdig die sind!

Ich habe auch wieder einen schönen Hügel vor der Haustüre und nachdem ich schon einmal im Dunkeln oben war, wusste ich, wo die schönste Aussicht bei Tag zu finden wäre.

Das hier ist für alle, die gerne zu den Sternen und darüber hinaus blicken.

 

Letztendlich hat mich der ungestüme Wind doch wieder hereingeweht, aber ich werde ihm gerne wieder für all das die Stirn bieten!

Mal was Technisches

Wir lachten alle über die App „Download SD Card 32 GB“.
Denn es gibt ja eine Konstante in der Hardware die wir benutzen: Der verfügbare Speicherplatz, der zwar auch erweitert werden kann, aber dann ja auch auf einen bestimmten Wert festgeschrieben ist.

Seit dem ich Android-Smartphones nutze, werkel ich gerne an ihnen herum und versuche die inneren Zusammenhänge von dem Betriebssystem immer mehr zu verstehen.
In den letzten Jahren habe ich aber die Geräte zunehmend nur benutzt und nicht all zu viel Mühe in das Anpassen und Aufmotzen gesteckt.

So habe ich mich nun, weil ich es wieder durchziehen wollte, für ein neues Gerät entschieden. Ein Tablet, weil ich es ohnehin nur im Hause nutzen würde. Ich entschied mich für das neueste Modell, das frisch auf dem Markt geschlitterte Samsung Galaxy Tab A8 mit Android 11 und den 32 GB internem Speicher, da ich es auch nicht überladen wollte. Im Vertrauen, dass es mir die erwünschten Vorteile bringen würde.

Ich habe es geholt, eingerichtet und alle benötigten Daten importiert und es war schön und gut und dann war der Speicher voll.

So früh schon? Ich habe doch kaum gesurft oder kaum etwas heruntergeladen! Aber die Tatsachen sprachen von einer abstrusen Menge von sogenannter „System data“. So viel, dass ich letztendlich keine App mehr installieren und keine Datei mehr per Bluetooth (für manche Einsatzzwecke ist es noch sinnvoll) empfangen konnte.

So sah es in der renommierten App „DiskUsage“ aus:

Ich möchte hinzufügen, dass mein Gerät nur 32 GB internen Speichers hat, von welchem ca. 10 GB Android-System-Daten abgezogen werden.

Also 22 GB zur freien Verfügung, richtig? Richtig.

Ich war mit meinem Latein am Ende, habe schon wieder Apps gelöscht und 4,5 GB alter WhatsApp-Bilder gelöscht.

Nichts wollte helfen und eines Abends war ich mir sicher, dass ich in den Laden gehen und eine ernste Szene machen müsste und auf ein anderes Gerät wechseln würde.

Aber eine Sache, nebst dem unerklärlichen Verbrauch durch „System data“, hat nicht ganz gestimmt. Das war nämlich, dass ich mein Tablet locker weiter bedienen konnte und das, obwohl es eigentlich mit „vollem Speicher“ nicht so funktionieren sollte.
Manche Caches wurden fröhlich weiter geschrieben, manche Apps funktionierten einfach weiter, wenn sie das eigentlich nicht mehr können sollten. Als ob manche Funktionen nach der Speicherauslastung nachfragten und manche nicht und einfach weiter schrieben.

Ich schaute mir also diese sorglosen Funktionen an und suchte nach einem Weg, dies gehörig auszunutzen.
Mein Nextcloud-Client schien die richtige Wahl zu sein und so lud ich einfach mal auf des vollen Speichers Nacken über 13 GB Daten herunter.

Das sah dann so aus, bevor es in kürzester Zeit ganz voll lief:

Ich habe es also geschafft! Ich habe erfolgreich meinen internen Speicher erweitern können! 😀
Am Ende waren da aber schon die etwas anderen Benachrichtigungen und ich merkte, dass ich den internen Speicher vollständig ausgereizt hatte. Das Tablet konnte nicht einmal mehr einen Screenshot speichern…

Viele Foren habe ich durchstöbert und viel Recherche betrieben, nur um mich davon zu überzeugen, dass dieses Verhalten (bevor ich es auszunutzen schaffte) schon seit vielen Jahren bei verschiedenen Herstellern bei Android besteht.

Warum auch immer Media Storage den benutzten Speicher verdoppeln möchte, weiß ich nicht.
Aber nach dem schamlosen Überbuchen des Speichers und der Löschung aller heruntergeladener Daten war es wieder normal und schrieb sich nicht wieder auf die Weise voll.

Alle meine Hoffnung schaut nun auf das nächste Softwareupdate, nämlich Android 12, welches diesen Bug für alle Betroffenen lösen könnte..oder auch nicht.

Das ist alles für heute, ein kleiner technischer Durchbruch, als alle Hoffnung schon verloren schien. 🙂

 

Edit, 15.01.22: Es kommt doch wieder, schleichend, aber ist auf die selbe Art und Weise zu reparieren. Hoffen wir, dass das Update es löst…
Edit, 03.02.22: Das Update X200XXU1AVAB/ X200XXM1AVAB scheint es repariert zu haben.

Es noch einmal durchziehen

Wir verbringen unsere Zeit in Erwartung. Scrollend, neu ladend, nachsehend.

Ich selber ertappe mich immer wieder schmerzlich dabei, wie ich das Checken meines Smartphones ungewollt zur Hauptbeschäftigung werden lasse.

Worauf warten wir aber? Warum fühlen wir uns so verantwortlich gegenüber diesem schwarzen Spiegel?

Kurz gesagt denke ich, dass er ein wesentlicher Bestandteil von uns geworden ist, der Menschen und der Gesellschaft.
Genau so wie wir im jungen Alter die Kontrolle über unseren Körper gemeistert haben und gelernt haben, auf bestimmte sensorische Reize zu reagieren, haben wir nun eine weitere Quelle von diesen Reizen in unsere Köpfe zu verweben.
Und genau so wie wir einst an Orte gehen mussten für Aussichten oder Neuigkeiten oder wortwörtlich Informationen „in die Hände bekommen“ mussten, ist das alles nun viel leichter und praktisch vereinheitlicht, durch dieses eine bestimmte Fenster, dieses Portal, welches uns überall hin bringt und alles Erdenkliche geben kann.

Mit diesem Potenzial können wir viel schneller kommunizieren, von allen Ecken der Erde zusammenarbeiten, wir können Wissen jenseits unserer Vorstellungskraft abrufen und müssen uns nicht zu sehr darum Gedanken machen, wo wir gerade eigentlich sind um das zu erreichen.

Aber was ist es noch wert, wo wir sind oder wen wir treffen, wenn wir doch alles und jeden in unserer Hosentasche haben?
Sicherlich, es macht noch einen Unterschied. Aber der wird von Tag zu Tag kleiner. Schau dich einmal in der U-Bahn um oder am Bahnhof oder im Wartezimmer beim Arzt.

Wir gewöhnen uns daran, es ist Teil unseres Alltages, denn von dem findet ja ein Großteil innerhalb unseres Smartphones statt.
Wir erwarten sogar direkte Antworten, Updates und Statusmeldungen, in einer Weise die damals auch das best-organisierteste Post-System in die Knie gezwungen hätte.

Aber was würde mit uns Menschen und mit unserer Gesellschaft passieren, wenn niemand mehr mal über den Bildschirm hinaus schauen würde und darüber hinaus, was an diesem wunderlichen Ort „Internet“ so passiert?
Wir sind an dem Punkt wahrscheinlich noch nicht angekommen, aber ich plane auch nicht, mich dort wiederzufinden.

Anstatt dessen möchte ich etwas durchziehen, noch einmal.
Genauso wie ich damals alle meine Kommunikation vom Smartphone verbannte, als ich nach Neuseeland ging.

Denn nun werde ich für 6 Monate an einem anderen Ort leben und weiter für dieselbe Firma arbeiten und habe die Chance, Teile meines Lebens anders zu gestalten.

Das ist der Plan: Ich werde mein Smartphone von jeglicher Direktnachrichten-Funktion, von jeder Unterhaltungs-App, von jedem Social-Media-Element trennen und nur die absolut notwendigen Dinge behalten, damit ich durch die Welt navigieren kann.
Natürlich behalte ich die ganzen Kommunikationskanäle auf einem anderen Gerät bei, aber das wird auf einen Ort beschränkt, wenn nicht sogar auf einen Raum.
Möglicherweise werde ich dieses andere Gerät nur an bestimmten Tageszeiten nutzen.
Gewiss, meine Arbeit wird weiter digital sein und ich werde auch nicht aufhören, digitale Unterhaltung in meiner Freizeit zu nutzen. Aber ich möchte klare Grenzen zwischen dieser sogenannten „echten Welt“ und der digitalen Welt online haben.

Das ermöglicht es mir, meine Gedanken außerhalb von der Hosentasche zu belassen. Ich werde keinen Gedanken dafür benutzen, ob nicht irgendetwas neues in meiner Tasche ist. Ich werde Straßen entlanggehen und werde dort sein, auf diesen Straßen. Ungeteilt und ohne eine digitale alternative Realität und ohne die Möglichkeit, an den warmen Busen des unendlichen Scrollens zu flüchten…

Ein wenig fürchte ich mich dennoch: Wo werde ich mich wiederfinden? Was wird passieren, wenn ich nur auf meine natürlichen Kommunikationsmittel zurückgreifen kann?
Eins ist dabei sicher: Es wird ein weiteres großartiges Abenteuer! Und ich bin dankbar, diese Reise antreten zu können!

Vielleicht werde ich herausfinden was es bedeutet eine einzelne organische Person zu sein, anstatt eines zweigeteilten Wesens: Halb aus Fleisch und Blut, halb im Cyberspace schwebend.
Würdest du das nicht auch gerne wissen?