Der Moment, auf den wir gewartet haben
Der Moment, auf den wir gewartet haben
Er kommt ganz gleich wie vorbereitet wir waren, und dann ist er einfach da.
Sei es eine Prüfung in der Schule, eine Schwierigkeit auf der Arbeit oder irgendeine zwischenmenschliche Angelegenheit. Wir bereiten uns fleißig vor, denn ein reines Gewissen im Vorfeld lässt uns das Ergebnis leichter akzeptieren, ganz gleich wie es ausfällt.
Eins ist ganz wild: Manche Dinge können wir einfach nicht kontrollieren. Sie passieren mit oder ohne unserer Zustimmung. Sie können in jede erdenkliche Richtung gehen, oder etwa doch nicht so ganz? Aber sie geschehen trotzdem, und manchmal haben wir Glück und wissen ihren Zeitpunkt.
Genau da verdichten und fokussieren sich all unsere Vorbereitungen. Nur wissen wir an dieser Stelle immer noch nicht, was passiert sein wird, bis es sich zu seiner Zeit ereignet hat. Alles Zerdenken, Verdrängen, Verrücktmachen oder Egalsein geleitet und zum erwarteten Moment.
Was bis zu diesem Moment bloße Optionen waren, wird nun zur unveränderlichen Tatsache.
Die meisten Schmerzen, Hoffnungen, Träume, Sorgen und Aufregungen von uns drehen sich um die Art, wie dieser Moment jetzo aussehen könnte. Wir Menschen mit unseren rundlichen Köpfen scheinen es geradezu zu lieben, über den nächsten Moment nachzudenken und darüber, wie der dann den darauffolgenden beeinflussen wird, und so weiter.
Das Problem dabei: Jede einzelne Wahrscheinlichkeit, die wir sorgfältig konstruiert haben, abgesehen von dem tatsächlichen Verlauf, wird sofort hinfällig und bedeutungslos.
Nicht jedoch die teuren Sorgengeschwüre und -Pakete, die daran geknüpft waren. Diese heilen nämlich weniger schnell ab, als der jeweilige Moment verstreicht. Sie bleiben bestehen und belasten unsere Gesundheit noch lange im Nachhinein.
Die Vorbereitung (hierin liegt unsere Kraft in der Gegenwart) mag sich also um die Vielfalt möglicher Ergebnisse drehen, doch wir sollten den heilsamen Ansatz im Blick behalten: unsere Sorgen mit Bedacht zu wählen, zu trennen zwischen dem, was wir kontrollieren können und dem, was sich unserem Einfluss entzieht, und unseren aktiven Handlungsmöglichkeiten zu trauen, mit denen wir in jeder Lage zurechtkommen.
Wenn man über einen Moment nachdenkt, gibt es ja immer ein Davor und ein Danach. Und der Unterschied liegt darin, zu welcher Zeit wir etwas daran ändern können und zu welcher nicht. Sobald der Moment diese Schwelle überschreitet, ändert sich der Wert von allem, was an ihn geknüpft war. Jede Sorge daran verliert seine Gültigkeit, da er nun der Vergangenheit angehört.
Der Moment, auf den wir gewartet haben, bedeute daher etwas zutiefst Befreiendes: Er radiert Sorgen aus. Doch um die Kraft dieses Sorgen-Kärchers nutzbar zu machen, müssen wir zuerst dem jeweiligen Moment selbst vertrauen, und in unsere Fähigkeit, mit welcher Realität und Wahrheit auch immer umgehen zu können.
Wir können frei wählen: Warten wir voll Furcht und Sorge auf unseren Moment? Oder erwarten wir ihn in Dankbarkeit, weil der Moment selbst Klarheit schaffen wird und wir von da an immer weiter und weiter und weitergehen können.



