Depression

Depression

Worüber schreibe ich, wenn ich nicht weiß, worüber ich schreiben soll?
Über etwas, worüber ich nie Bescheid wissen wollte!

Die Depression könnte ja einfach nur die Diagnose von der Umgebung von jemandem sein, denn dieselbe ist für die lausige Lage des menschlichen Erlebens verantwortlich.
Aber die Umgebung besteht aus externen und sehr realen internen Faktoren. Arbeit, Zuhause, soziales Gefüge, saisonale Dunkelheit, Weltschmerzen, alles das bekommt eine mächtige Feedbackschleife durch unser Gehirn.

Wir waten durch wabernde Wogen des Lebens, hin zu den perfekten Wellen, die das Hirn genau richtig kitzeln können.

Nur manchmal, manchmal passieren schlimme Dinge über so lange Zeit, dass eine böse Traurigkeit sich einstellt und mit einem Mal Dinge, die sonst Spaß machen, gar nicht mehr spaßig sind.
Energie ist Mangelware, morgen ist’s matschig, Atem ist kurz, Disziplin ist schrott, Masken rutschen. Schlaf ist unbefriedigend, Sinn ist neblig, Alltagsaufgaben sind Berge, Aufmerksamkeit ungebändigt.

Wenn Richtiges sich falsch anfühlt, ist Falsches dann falsch?

Ich habe schon mein ganzes Leben un-, unter- und ganz bewusst die grundlegenden Zusammenhänge auseinanderklamüsert, warum wir denn tun, was wir so tun.
Religion hatte ein indiskutables Fundament gegeben, warum wir Sachen so machen; gute Bildung und ein neugierförderndes Heim machte das Finden von Regeln und Konstanten leichter, dass ich sogar einige der Ozeane des Lebens befahren konnte.

Ich habe einfach immer und immer wieder die Frage zu beantworten versucht: Wie kann ich ein gutes Kind, ein guter Schüler, Freund, Azubi, Kollege, Reisender, Zuhörer, Fotograf, Mieter, Mitarbeiter, Autofahrer, Kunde, Onkel, Gastgeber, Autor sein; und so viele andere Rollen, in die ich vor dir geschlüpft bin und wo ich mehr oder weniger klar zeigen konnte, warum ich der war, der ich dann war.

Neuerdings sind ein paar mehr Rollen aufgekommen: Ein Autist, ein Therapieempfänger, ein Depressiver, ein Krankgeschriebener.
Das ist zweifellos ein lebensverändernder Prozess, einer der lange überfällig war und dazu noch lebenswichtig ist, aber auch hier entdecke ich meine alte Denkweise.
Letztendlich frage ich mich auch heute: Wie kann ich ein guter Depressiver sein?

Nun, was macht denn ein guter Depressiver?
Ach ja, der sucht sich Hilfe. Ach ja, der quält sich ab. Ach ja, der braucht Zeit. Ach ja, der ändert seine Gewohnheiten. Ach ja, dem geht es dann besser, natürlich. Ach, ja, der erzählt dann von seiner Verwandlung und hilft damit anderen weiter.

Und wer hilft mir, nach Hilfe zu suchen, wenn ich gerade nichts fertigbringe? Und wer gibt mir denn die Zeit, die ich zum Ändern meiner Gewohnheiten brauche? Und wer sagt mir, ob es mir denn jetzt besser geht?

Vielleicht werde ich eines Tages anderen von dem Ort in uns erzählen, wo die Antworten liegen.
So sehr mein Kopf sich in den autistischen Windungen dreht, mit denen ich meine ganz eigene Welt schaffe, so viel habe ich auch von den äußeren Elementen dort hineingeschleppt, um ein guter Mensch nach jeglichem Standard zu sein.

Was genau bleibt übrig, wenn dieses Zeugs von außen reißt, wegschmilzt und sich auflöst?

Was macht man dann damit?

Ist es eine Ehre, dass ich das herausfinden darf?

Vorsichtigkeit

Vorsichtigkeit

Aktion und Reaktion. Die erste grundlegende Lektion für den Menschen. Von dort aus wird es nur delikater und mehr komplizierterer. Aber tief verwurzelt sind zwei Gefühle, die aus unseren Handlungen entspringen: Fühlt sich gut an und fühlt sich schlecht an.

So wie die Anekdote vom Patienten beim Arzt, der sich beschwerte, es würde wehtun, wenn es das täte, und der Arzt ihm einfach sagte, er möge das einfach nicht mehr tun, lernen wir und den Handlungen zuzuwenden, die die sich gut anfühlende Reaktion hervorrufen.

Und da kommt auch schon die Voraussicht. Denn wer würde nicht gerne böse Folgen seiner Handlungen verhindern wollen?

Also machen wir es uns zu Gewohnheit, die Flüssigkeit in der Tasse nicht sofort anzufassen, andere Personen nicht zu hauen, nicht mit Scheren zu rennen, nicht körperliche Eigenschaften Fremder anzusprechen, nicht von jeder Höhe herunterzuspringen, einen Durchgang auf Glasscheiben zu prüfen, Daten zu sichern, Dinge zu durchdenken, bevor wir sie anfangen, einen Platz auf der Küche vorzubereiten, bevor das Blech aus dem Ofen kommt, eine Jacke zu tragen, wenn es kalt wird, unser Gebaren vorsichtig zu wählen, so wie es in den etablierten gesellschaftlichen Regelwerken wünschenswert ist, Dinge zu vermeiden, die uns einmal ein schlechtes Gefühl gaben.

Was ist das da, mit dem düsteren Zeug zum Schluss?
Als Hyperfühler ist mein Gehirn in regelmäßiger Überfunktion und gute und schlechte Gefühle werden sehr viel intensiver wahrgenommen; sodass ich weit empfänglicher für alle Ebenen von Aktionen und deren Reaktionen werde.

Aber mit meinem Fimmel für Spiele und Rätsel habe ich schon in jungem Alter damit angefangen, mit Logik und Ausschlussverfahren meine körperlichen Mechanismen zur Freude meiner Umgebung einzusetzen. Und das klappt auch gut, sobald man es dann raus hat!

Aber wie jedes Spiel in Ultra-Hardcore-Albtraum-Qual-Overkill-Schwierigkeitsstufe, zeigt das Leben dir erst ein Tutorial, bevor es dich in die Spirale ansteigender Herausforderungen schickt.
Oh, wie oft habe ich mir einen Wanderführer gewünscht, den ich nach Schlimmem gefragt hätte, bevor das Schlimme erst passieren musste!
Rückblickend kann ich aber Geschichten von großem Glück und günstigen Umständen erzählen, ohne die ich niemals in dem Raum sitzen würde, an dem ich heute bin.

Jahrelang habe ich es so durchs Leben geschafft; mit der guten Gewohnheit, jede Ecke zu prüfen, aus der jemals schlechte Gefühle kamen, weniger zu wagen, meiner Umwelt weniger zu vertrauen als meine Mitmenschen es tun, lieber mein Gehirn zu beanspruchen als auf mein Bauchgefühl zu hören, mich langsamer fortzubewegen und mich umso mehr über jeden Erfolg zu freuen, den ich mit der Strategie erreichen konnte.

Als Kind, als Schüler, als Auszubildender, als junger Reisender wurde mir schneller vergeben, wenn ich über die Stränge schlug und ich bekam nachsichtiges Feedback nach dem Zwischenfall.
Ganz anders aber, wird sicherlich jeder Erwachsene so erleben, ist die Situation im Erwachsenenleben und im professionellen Umfeld. Da gibt es Standards und Anforderungen und Gepflogenheiten zu beachten. Das nicht-angepasst-Sein zu meistern und neue Wege zu finden, seinem gar wunderlichen Gehirn zuzuspielen, können letztendlich ebenfalls zu schlechten Gefühlen führen. Gefühle des Nichtverstehens des Nichtverstandenwerdens. Gefühle der Entscheidung zwischen einer Maske oder ehrlichem Aufführen. Gefühle der erhöhten Vorsichtigkeit, die man schon sein ganzes Leben lang gekannt hat.

Es ist mühevoll, sich vorsichtig weiterzuentwickeln.

Unverstanden

Unverstanden

Mein gesamtes Leben über habe ich gelernt, verstanden zu werden. Mich in die Form eines Wesens zu gießen, das Richtigkeit verkörpert; mit Werten und Weisen, die meine Mitmenschen glücklich und sogar in meiner Anwesenheit sicher fühlen lassen.

Ich habe gelernt, dass manche Dinge nicht sofort verstanden werden und dass manche wohlgemeinte Handlung oder Aussage entweder umfassende Erklärung brauchte, oder gar nicht erst geäußert werden musste.

Ich habe gelernt, dass wenn ich mich selbst besser verstehe und reflektieren lerne, ich mich auch besser erklären und meine Handlungen anderen zugänglicher gestalten kann.

Ich habe gelernt, dass mein Verhalten Namen hat.
Schritte eines Prozesses einzusparen, um das geforderte Ziel zu erreichen war dann faul, meine Gedankengänge zu erklären war dann ausschweifend, Tabuthemen anzusprechen, wo ich nicht um eine Regel dagegen wusste, war dann ungehobelt, meine Fähigkeit, versteckte Punkte in der Sprache oder in Situationen zu verbinden, war dann albern, 110% zu geben war dann richtig so, sich auf der Arbeit krankzumelden war dann unbequem, Details anzusprechen, die mir auffallen war dann erstaunlich, eine originelle Weltansicht zu teilen war dann auf Drogen, Informationen zu ordnen und dies mit anderen zu teilen war dann ein sagenhaftes Geschenk, Zeit alleine in meinem Zimmer zu verbringen war dann Rückzug.

Während nun keiner danach fragte, warum ich diese Dinge tat, habe ich mir immer gedacht, genau das erklären zu können, was in Ausschweifen und Erstaunen mündete.
Auch konnte ich die gegensätzliche Weise meiner Handlungsweisen mir selbst gegenüber weder erklären noch aufhören, mich darum zu sorgen.

Und wer sollte mir denn die Gründe sagen, warum ich all das so tat, einschließlich mir selbst?
Ich schien faul zu sein, auszuschweifen, ungehobelt, albern, immer aber Dinge richtig machend, während ich bestaunenswert und trotzdem unbequem, wie auf Drogen scheinend, sagenhafte Werke vollbringend, aber ein Stubenhocker.

Unverstanden auch von mir selbst, habe ich mich dann auf die Suche gemacht, was die eigentlichen Gründe für all das wären.
Aber diesmal meine eigenen Gründe, näher am Menschen hinter der Maske als alle Namen, die ich vom Außen bisher erlernt hatte.

Nur durch die resultierende Diagnose konnte ich einen anderen Blickwinkel auf mich selbst einnehmen, als den die bisherigen Wände mir stets und unaufhörlich gespiegelt hatten. Ein Zugang zu einer Welt, die Sinn zu ergeben begann. Eine Entdeckung von dem, was schon immer da war, unter der schweren Maske zu etwas verzerrt, das oh-so-wunderbar und oh-so-zerstörerisch war.

Ich beginne nun zu verstehen, warum ich an mancher Stelle auf gewisse Weise angesehen wurde.

Ein scharfer Punkt: Nicht jeder Ort gab mir sogleich die unglücklichen Namen. Manche Orte haben diese Namen auch verändert, nachdem sie die Gründe erfuhren, manche Orte tun dies noch überhaupt gar nicht.
Sollte ich weiter diese Orte davon überzeugen, dass es eine gute, produktive, nützliche Sicht auf das gibt, was ich verkörpere, oder sollte ich das ganz sein lassen?

Jemanden zu verstehen setzt das Verständnis für ihre Gründe voraus und Vertrauen in die Richtigkeit ihrer Werte. Wenn das gegeben ist, wird jede Interaction gesund und natürlich folgen.

Der Pinguin liebt sein Wasser und ein Esel mag nicht Pferd genannt werden, auch wenn er auf den ersten Blick wie eines erscheint.

Schaden über Zeit

Schaden über Zeit

Schaden über Zeit ist eine Sache im Leben, die wir alle kennen, aber die als solche eher über Computerspiele Bekanntheit erlangt hat.

In Computerspielen werden viele der Mechanismen des echten Lebens umgesetzt, um dem menschlichen Spieler ein allumfassendes Erlebnis zu bieten. So kann man nicht nur Feinde schneller und effektiver bezwingen, sondern auch jeden Lebensbalken intuitiv und instinktiv noch lange nach dem eigentlichen Schlag beeinflussen. Sei es der gute alte Giftschaden oder ein lange anhaltender Zauberspruch, man kann damit mehr als nur eine Sache auf einmal austeilen!

Wenn man von Effekten über Zeit spricht, ob positiv oder negativ, kommen viele alltägliche Dinge in den Sinn:
Unkrautbekämpfung, Geschirr einweichen, rhetorische Pausen, Einmarinieren, Wäsche trocknen, Medizin einnehmen und allerhand mehr.
Also hauptsächlich Sachen, die uns in allen Lebensmissionen behilflich sind, gleichauf mit Aktionen, die einen sofortigen Effekt haben; von denselben es auch welche gibt, die uns stören und die aufgelöst werden müssen, damit der betroffene Mensch sich nicht sorgen muss:
Ein harter Tag auf Arbeit fordert seinen Tribut und das Auto wäscht sich nicht von alleine, Zuhören verbraucht manchmal extra Energie und das Laubharken lässt einen mit weniger Energie zurück als zuvor.

Wenn der Spieler Schaden erleidet, ist Heilung die Antwort. Einfache Rechnung.
Was aber, wenn der Schaden fortbesteht? Heilt man sich dann sofort, nachdem der Schaden komplett ist, oder hat man womöglich die Option, sich über Zeit zu heilen? Wird es den Schaden aufheben? Wie viele Heilungseinheiten hat man übrig? Wird gleich der nächste Schaden aufkommen?

Normalerweise wachsen wir ja mit unseren Aufgaben. Wir schließen Missionen mittels unserer Stärken ab, nutzen die gleichen, um unsere Heilungsmechanismen weiterzuentwickeln, und haben so letztendlich Erfolg.
Im Mittelpunkt steht dabei, die eigenen Schwachstellen und die Herangehensweise ans Heilen sehr gut zu kennen.
Manche Spieler setzen voll auf Heilungstechnik, manche erheben das Ausweichen vor Schaden zur Kunstform, manchen macht Schaden gar nichts aus, manche wollen von Anfang an lieber keine Herausforderung, manche haben keine Wahl.

Und manche, manche sind viel anfälliger für Schaden über Zeit, dem gefürchteten Lebensbalkenauslöscher, der eine Effekt, der die Quelle des Schadens fast unidentifizierbar macht. Auch wenn ein bestimmter Schlag bei anderen gar nicht zu Schaden über Zeit wird, hält er für diese Spieler zigmal so lange an.
Diejenigen haben gelernt, mit der überwältigenden Flut an Einflüssen auf ihren Lebensbalken zu leben, ohne jemals den einen Schaden vom anderen unterscheiden zu können, sich durchgängig abzumühen alle ihnen nur möglichen Faktoren umzuordnen, daran zu scheitern, anderer täglichen Heilungsprozesse zu verstehen, zu versuchen sich mit den zur Verfügung stehenden Umgangsformen anzupassen, nie auf einen grünen Zweig zu kommen und zu denken, dass das alles normal wäre.

Es ist niemals einfach nur Schaden, einfach nur ein Stück Energie, einfach nur ein blöder Löffel.
Nicht, bevor du mehr Schritte zurück machst denn je zuvor, um dann die richtigen Entwicklungspunkte in die richtigen Säulen zu stecken und einmal die richtige Art von Erfolg zu erleben, egal ob klein oder groß.

Als ein neurodivergentes Individuum hat mein Leben unterschiedliche Episoden aus Schaden und Heilung gehabt.
Neulich bin ich erwachsen geworden. Hauptsächlich durch meinen Auszug und durch das intensive Lernen über meine Fähigkeiten und meine Schwächen, und durch das aktive Einstehen für mich und für meine Bedürfnisse.
Dieser Teil meiner Weiterentwicklung ist wahrscheinlich der schwerste, durch den ich je gegangen bin, aber ich habe immer noch Hoffnung. Ich glaube, dass eine Zukunft aus stetiger Heilung, vielleicht sogar einem vollen Lebensbalken und mit weniger Schaden über Zeit auf mich wartet.
Und da komme ich hin, während Sir Oliver Evolves.

Dänemark zu Zeiten…

Wenn man öfters in Dänemark war, stößt man auf so einige Unterschiede zwischen den Jahren. Nicht so sehr vom Haus, in dem man urlaubt, auch nicht so sehr von den Menschen, mit denen man reist, nicht so sehr von den günstigen Blu-Rays, die man findet, auch nicht so sehr vom Wetter, vom Essen, von den Süßigkeiten und Spiel und Spaß.

Den größten Unterschied macht die eigene Lage, aus der heraus man sich auf diese altbekannte Reise begibt.
Ich hatte manche haarigere, manche heitere, manche stressigere, manche ultimativ entspannende Zeit in Dänemark.
Aber noch nie eine wie diese, nachdem ich eine so lange Pause von der Arbeit hatte und in den letzten Zeiten doch so viel über mich selbst lernen durfte. Es fühlt sich an, als wäre mein Leben an einem Wendepunkt, und ich habe weniger Angst, eher Freude darauf, was die Zukunft für mich und für meine Lieben bereithält…