Noch eine kleine Zwischenmeldung

Viel zu viel Weißkohl. Das wird mir leider erst klar, als sich eine immense Menge bereits in der bunten Pfanne befindet. Der Rest, vorausdenkend wie das ein guter Koch so macht, ist schon fein geschnitten…

Da muss man jetzt stark sein und Alternativen und Kompromisse suchen. Ja, ein Salat. Aber ich habe nur Schnittlauch, Zwiebeln, Knoblauch und viel Kohl. Etwas einfarbig insgesamt… Ich lasse mich (jung und unerfahren) auf den Vorschlag im Internet ein und hebe dem übrig gebliebenen Kohl eine Mischung aus Knoblauch, Öl, Salz & Pfeffer und etwas abgelaufenem Limettensaft unter.
Damit habe ich also meinen 2. Salat meines Lebens gezaubert und die 24. warme Mahlzeit (Quatsch, als ob ich noch mitzähle 😀 ) fertig gestellt.
Und es schmeckt. Bin halt Mamas Sohn. 😛

Und mit der Zeitumstellung wird das Umgerechne weit schwieriger. Ab dem 5. April bin ich nur noch 10 Stunden voraus… Keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat, aber bei euch wird VOR und bei mir ZURÜCK gedreht. 😀

Mittlerweile pflücke ich wieder Äpfel und ab morgen wird die weltbekannte Sorte ‚Granny Smith‘ geerntet. Unsere Äpfel kommen zwar nicht nach Deutschland, aber dennoch ist der Anblick dieser Bäume umwerfend. Wenn auch nicht zuletzt aus Pflückerperspektive. 🙂

Die Morgen werden hier zunehmend ‚crisp‘ (unser ‚frisch‘ wird hier mit sowas wie ‚knusprig‘ übersetzt) aber es endet dennoch immer in einer Affenhitze. 😀 Ist euch der Schweiß schon mal IN die Ohren geflossen? 😀

4 Arme wären hier die einzig logische Antwort.

Monströs im Gegensatz zu allen anderen Bäumen und voller als die Natur erlaubt.

Die Tage bis zu meiner (erstmal ja kurzfristigen) Ankunft in meiner Familie werden immer weniger und die Erwartung steigt auf beiden Seiten, wie ich hören durfte…
Und dann wird es ganz sicher auch mehr neue Endrücke zu berichten geben. Jetzt fließt das Arbeitsleben ja nur so vor sich hin… 🙂

Alles nach Plan

Noch 33 Tage, dann werde ich eine Tür öffnen. Eine Tür, die meinem Zuhause für die nächsten Monate gehört.

Mein Plan, die für die Visumsverlängerung nötigen 12 Wochen auf der Apfelplantage zu absolvieren, geht auf. Ich werde zwar nach einer Woche in meiner Gastfamilie wieder zurück nach Hawkes Bay gehen, damit ich die letzten 2 Wochen des Aprils noch für die Arbeit ausnutze. Denn man muss theoretisch nur einen Tag pro Woche arbeiten, damit sie für die Verlängerung gilt.

Nach der ganzen bürokratischen und ganz nebenbei noch körperlichen Anstrengung kann ich also endlich in meiner (anfangs als einzige Station geplanten) Familie Fuß fassen.

Wenn ich mir das so überlege (Achtung, zur Nachahmung empfohlen. Eltern verhaften ihre Kinder.) ist das eine außerordentliche Packung Neuseeland, die ich mir genehmige…
Erst einen (von maximal 3) Monat als Tourist, ohne Arbeit einfach nur hier ’sein‘. Währenddessen habe ich mir meine Gastfamilie gesucht. Der Vorteil, den Bewerber (oder die Bewerberin 😉 ) vor sich sitzen zu haben ist so durchschlagend, dass man sich wirklich die perfekte Familie suchen kann. Und dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zusagt. Denn Skype ist nichts gegen ein echtes Gespräch wo man sich gegenübersitzt…

Dann das Working-Holiday-Visum beantragen. Nachteil ist, dass man aufgrund des Aufenthaltes länger als ein Jahr ärztliche Zertifikate benötigt. Die kosten, das ist nun mal so. Aber für den verlängerten Aufenthalt nimmt man das mehr als gerne auf sich.

Mit dem Arbeitsvisum kann man sich nun in das Work-and-Travel-Leben stürzen. Man kann lange Tage in der schreienden Hitze Äpfel pflückend verbringen und sich Gedanken über das Leben, den Sinn von Bildung und einem qualifizierten Job machen. Man lernt, was sparen heißt. Man lernt, dass Arbeitsklamotten schneller zu ‚riechen‘ anfangen. Und man lernt, dass das Leben doch nicht nur Spiel und Spaß ist.

Wenn man dann entweder die Schnauze oder die 12 Wochen für die Verlängerung voll hat, kann man die nächste Stufe zünden. Man geht zu seiner Gastfamilie und..nun, davon werde ich zu reiferer Zeit mehr berichten.

Die Rechnung in Monaten ist nicht schwer. Mein Fall sieht so aus:
1 Monat mit Touristenvisum
12 Monate mit dem Working-Holiday-Visum
3 Monate als Verlängerung des WHV

Wenn ich zu meiner Familie gehe, werde ich bereits 5 Monate hier in Neuseeland verbracht haben. Bleiben also noch 11 Monate. Die letzten davonmöchte ich zum Reisen auf der Südinsel nutzen, sodass mir 9-10 Monate in der Familie zur Verfügung stehen.

Ein anderer Nachteil ist aber, dass man sein Flugticket verlängern muss. Denn bei der Einreise als Tourist muss man ein Rückflugticket vorlegen. Es ist kein Problem, ein Flugticket zu verlängern (kostet nicht die Welt). Aber Flugtickets sind nur für die Zeitspanne von einem Jahr verlängerbar. Da mein Aufenthalt hier darüber hinausgeht, musste ich meinen Rückflug verfallen lassen und werde mich nach einem neuen umsehen. Vielleicht hätte das auch besser laufen können, also sprecht unbedingt rechtzeitig mit eurem Reisebüro…
Nichtsdestotrotz (deutsche Wörter klingen immer komischer 😀 ) ist auch dieser Umstand die zusätzliche Zeit hier am Ende der Welt voll wert.

Unter anderem deswegen:
Die meisten Au Pairs kommen direkt in ihrer Familie an und viele verlassen sie auf dem direkten Wege nach Hause. 1 Jahr Au Pair sein, etwas reisen zwischendurch, Ende. Das war anfangs auch mein Plan, aber der hat sich ja maßgebend geändert.
Ich werde bei der Ankunft in der Familie schon im neuseeländischen Leben angekommen sein. Ich habe dann nämlich schon Straßen und Supermärkte, Tankstellen und Umgangsformen, Lebensmittel und Sprache kennengelernt. In meinem Aufenthalt stellt das Au-Pair-Sein somit zwar den zentralen Punkt dar, aber es ist lange nicht der einzige Inhalt.
Und nach meiner Reise auf der Südinsel kann es sogar ein kleines ‚Wiedersehen‘ mit der Familie geben, bevor ich endgültig heimkehre. Ich reise, arbeite, bin Au Pair, reise wieder und danach geht es nach Hause. Nach 16 Monaten Neuseeland…

Bei einem Roadtrip ging es wie so oft bergauf und ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Neuseeland ist SO wunderschön!

Merke: Für Ausflüge mit der Kamera eignen sich Sonnentiefstandsstunden am besten. 😉

Sogar diesen Platz habe ich am Ende des Roadtrips gefunden. Ein Weltrekord nur 100km von meinem aktuellen Zuhause entfernt! 😀
(Der Name beschreibt einen Hügel und ist eigentlich ein ganzer Satz.)

Kleine Zwischenmeldung

Weiße Folie ausspannen, weiße Folie einsammeln, so geht es jeden Tag. Ein paar Tage habe ich auch gepflückt und bin tatsächlich schneller geworden. 🙂
Letztens bemerkte der Vorarbeiter einen Fakt: Ich bin sehr viel dünner geworden, seit ich auf der Plantage anfing. Ich bin froh, dass ich mich daheim auch selbst neben meiner Reisetasche gewogen habe. Denn ansonsten könnte ich nicht mit so viel Gewissheit bestätigen dass ich bereits 10kg abgenommen habe! 😀

Alltag formt sich auch allmählich. Aufstehen, was essen, was einpacken, ab zur Arbeit, Arbeit, im 70 Grad heißen Auto zurückfahren, daheim duschen, was essen, Kontakte pflegen, etwas Unterhaltung, etwas Eis naschen, ab ins Bett, Müll träumen, Wecker klingelt, nochmal von vorn…

Ich habe im Laufe meiner Reise sehr viel über mich selbst gelernt. Unter anderem dass man der herzensbeste Mensch sein kann, aber lang nicht jeder das auch so sieht.

Ich kann mir immer weniger vorstellen, auf der rechten Seite zu fahren. Ich reinige Müll für die (offensichtlich äußerst penible) Müllabfuhr und wasche Geschirr mit dieser unnützen Bürste. Ich lebe unter waschechten Kiwis, esse Meatpies (Fleischkuchen, Oma; sollten daheim unbedingt Standard werden 😉 ) und die Flat ist immer noch toll…

A ga a dschaa‘!

Herzlichen Glückwunsch, jetzt können Sie „I’ve got a job!“ („Ich habe eine Arbeitsstelle!“) im allernachlässigsten Englisch aussprechen! 😀

Ja, morgen geht bei mir die Arbeit los. Der Ernst des Lebens. 🙂 (Noch kann ich Smileys machen.)
Die Äpfel sind reif und können gepflückt werden UND ich bin mit dabei…
Wird aber auch Zeit, wenn ich ehrlich bin. Der Grund, warum ich diese Arbeit tun will ist ja immer noch, neben der Kohle, die Zulassung für die Visumsverlängerung. Und das wird für die nächsten Monate etwas mehr Routine in meinen Wochenablauf bringen. Kein exzessives Ausschlafen mehr, keine Roadtrips zu schönen Stellen der Gegend weil man sonst nichts besseres zu tun hat, keine Kinoabende mit Nachos und Dip bis spät in die Nacht (Kino = Lenovo + Bose Soundlink Mini 🙂 )…

Die letzten Tage waren sehr toll mit all‘ diesen Elementen. 🙂
Ein paar Aktionen haben wir mit einer Gruppe deutscher Work’n’Traveller (woher sonst 😀 ) steigen lassen. Dieselben gehören auf alle Fälle zu den angenehmsten meiner Bekanntschaften hier in Neuseeland.

Ocean Beach. Name ist Programm.

Am Strand durfte ich erstmals (ja; gibt so Sachen, die ich bis jetzt noch nicht gemacht habe…) den Traum leben, den Sand in Richtung Meer zu beschreiten und mich in die Wellen zu legen. Bis jetzt hatte ich wenn, dann flüchtig den Steinstrand in Napier, den Hafen in Wellington, das Mittelmeer auf Mallorca oder halt die Nordsee und den einen oder anderen See in Deutschland mit meiner körperlichen Präsenz beehren dürfen, nicht aber das bestimmte Gewässer wo hinter dem Horizont als nächstes Stück Land Südamerika kommt.
Aber versalzen ist der Ozean immer noch…

Am anderen Tag haben wir den „Te Mata Peak“ besucht und eine kleine Wanderung absolviert. Der Ort ist die nächste höhere Erhebung der Gegend (400m) und bietet herrliche Aussichten auf die Landschaft. Es war ein recht wahnsinnig heißer Tag und die Wanderpackung war gerade so viel wie mein verweichlichter Leib vertrug. Danach wieder in den Ozean zu laufen ist der Ausgleich den man dann halt so braucht… 😀

Der Ausblick vom Gipfel. Neuseeland ist zwar sehr grün, aber nach ein paar Tagen an der Sonne sieht das Gras auch eher braun aus…

Staub auf der Linse als Effektgrundlage. Der Backpacker denkt stets praktisch! 😀

Guck mal Mama! 😀

Hört sich nach Spaß an… 🙂

Sieht auch wie Spaß aus. 😀

Meine Wandergesellschaft. 🙂

Nun, bald wird es sicher weitere Neuigkeiten und eventuell auch ein paar Nahaufnahmen von reifen Äpfeln geben… 😉

Große Freiheit

Ich habe mir ein Auto gekauft!

Die große Freiheit ist ein Mazda Lantis, Automatik, 16V, ordentlicher Zustand, nicht teuer. Erinnert an unseren Proton damals. 😉

Man ist, wo man ist. Aber es zählt auch, wo man hin KANN und wie schnell und komfortabel. Bis jetzt war ich an verschiedenen Orten, aber immer an Bus, Fuß oder liebe Leute die Hitchhiker mitnehmen gebunden.
Jetzt bin ich an einem Ort, kann aber UNABHÄNGIG größere Strecken in kürzerer Zeit und weniger Fußsohlenverschleiß hinter mich bringen. Ich kann Einkäufe weit über meine Tragkraft tätigen, kann einfach mal so in die Nachbarstadt und ja, vielleicht sogar zur Arbeit fahren…

Weiter bezieht sich jetzt mein Totalstauraum nicht nur auf meinen Rucksack, meine Hosen- und Jackentaschen und den großen Trolley, sondern auch auf das gesamte Volumen des Autos. Das hat zur Folge, dass man sich beim Erwerb verschiedener Güter keine Gedanken um deren Volumen mehr machen muss, geschweige denn so sparsam zu packen hat. 🙂

Auf diesen Moment habe ich lange gewartet. Jetzt ist es soweit!

Bis jetzt habe ich das Vehikel nur bis zum Hostel hier in Hastings gefahren und es gilt höchste Konzentration, damit man nicht zum Geisterfahrer wird. Aber es ist unglaublich! Wie als ich das erste Mal alleine in meinem Audi saß und die Gegend befuhr.

Ich habe bereits Kontakt gesucht und schon gute Aussicht auf einen Job als Blaubeeren-/ Apfelpflücker. Der Umstand, dass ich 3 Monate durcharbeiten will erleichtert die Suche erheblich. Also wird bald wieder etwas mehr Ernst und Routine und Alltag in’s Leben kommen.

Das Hostel, in dem ich aktuell bin ist wäldlich gelegen und man merkt das. Es kreisen gerade 34 Fliegen um mich rum und meine Gliedmaßen weisen komische Buckel auf die jucken. Sonst ist das Hostel sehr in Ordnung. Und der Fakt dass der Besitzer eine Statistenrolle bei Lord of the Rings hatte soll hier nicht unter den Tisch fallen. 🙂

Noch bevor ich die große Freiheit erwarb, machte ich mich auf einen Fußmarsch zum Hastings ’nahe‘ gelegenen Fluss. 6km sind zu Fuß nicht wenig, aber es hat sich gelohnt…

Raus aus dem House!

Neuseeland ist schön! Es ist herrlich grün, man macht die von der Busfahrt schweren Augen einen Moment zu, es ist trocken und braun. Die grünen Hügel sind grob, sie rücken in den Hintergrund und das Gelände ist flach. Es wird wieder grün, die Landschaft macht einen zerklüfteten Eindruck, die Hügel werden feiner. Die Szenerie am Straßenrand lässt Mitleid für die auf ihr Handy starrenden Mitreisenden aufsteigen. An meine Cousins (ihr wisst wer ihr seid ;)) : Stellt euch einfach die Sandgrube mit einem malerischen Fluss, 2000x schöner und mit einem besseren Ausblick als auf Weizenfelder und Wiehengebirge vor. So sah es stellenweise aus! Der Bus hält aber nicht, wir fahren weiter. Das ungewöhnlichste was ich auf der Fahrt gesehen habe, war die Schlittschuh’halle‘ in Taupo. Hier ist Sommer und die betreiben eine Eislauffläche! 😀

Als wir dem Ziel näher kommen, der für ihre heißen Quellen bekannten Stadt Rotorua, sieht man aus dem Dickicht am Straßenrand tatsächlich weißen Dampf aufsteigen. Im letzten Licht des Tages gehen wir zum Hostel…

Es reicht. Einen kompletten Monat habe ich in Wellington verbracht. Das Hostel, man bedenke dass es die erste Bleibe hier ist, ist mir beinahe zum Zuhause geworden. Es fühlte sich aber nicht wirklich nach Reisen an, so schön die Zeit dort auch war… Ich habe Wellington lieb gewonnen, kenne mich dort mittlerweile aus und ich habe wunderbare Menschen kennengelernt. 🙂 Ich habe ja hauptsächlich auf meine Tasche gewartet und bis jetzt nichts von ihr gesehen. Warum also an dem Plan festhalten? Deshalb habe ich mich kurzfristig für eine kleine Rundreise auf der Nordinsel entschieden.

Eine sehr nette Japanerin die ich in Wellington kennenlernte arbeitet hier in Rotorua in einem Hostel, welches ich selbstredend auch gebucht habe. Wir fuhren sogar mit dem selben Bus und ich war ganz froh, jemand ortskundigen dabei zu haben. 🙂

Rotorua riecht nach Schwefel, mal mehr, mal weniger. Hoffentlich werde ich mich bald daran gewöhnen… Das Wetter ist hier anders als in Wellington. Es ist heiß, es fühlt sich an wie Sommer. Wellington ist immer windig, es war selten gescheit warm. Ich habe gefrühstückt, sitze im Innenhof des quirligen Hostels und die Katze hat sich neben mir niedergelassen. Katzen sind schon interessante Tiere. Mal kratzen sie, mal betteln sie um Streicheleinheiten, dann haben sie wieder genug von der Zuwendung…

Jetzt fühlt es sich auf jeden Fall wie Reisen an. Man ist nicht mehr gebunden, man kann sich frei bewegen. Und nur, weil man einfach mal umgedacht hat.