Alles nach Plan

Noch 33 Tage, dann werde ich eine Tür öffnen. Eine Tür, die meinem Zuhause für die nächsten Monate gehört.

Mein Plan, die für die Visumsverlängerung nötigen 12 Wochen auf der Apfelplantage zu absolvieren, geht auf. Ich werde zwar nach einer Woche in meiner Gastfamilie wieder zurück nach Hawkes Bay gehen, damit ich die letzten 2 Wochen des Aprils noch für die Arbeit ausnutze. Denn man muss theoretisch nur einen Tag pro Woche arbeiten, damit sie für die Verlängerung gilt.

Nach der ganzen bürokratischen und ganz nebenbei noch körperlichen Anstrengung kann ich also endlich in meiner (anfangs als einzige Station geplanten) Familie Fuß fassen.

Wenn ich mir das so überlege (Achtung, zur Nachahmung empfohlen. Eltern verhaften ihre Kinder.) ist das eine außerordentliche Packung Neuseeland, die ich mir genehmige…
Erst einen (von maximal 3) Monat als Tourist, ohne Arbeit einfach nur hier ’sein‘. Währenddessen habe ich mir meine Gastfamilie gesucht. Der Vorteil, den Bewerber (oder die Bewerberin 😉 ) vor sich sitzen zu haben ist so durchschlagend, dass man sich wirklich die perfekte Familie suchen kann. Und dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zusagt. Denn Skype ist nichts gegen ein echtes Gespräch wo man sich gegenübersitzt…

Dann das Working-Holiday-Visum beantragen. Nachteil ist, dass man aufgrund des Aufenthaltes länger als ein Jahr ärztliche Zertifikate benötigt. Die kosten, das ist nun mal so. Aber für den verlängerten Aufenthalt nimmt man das mehr als gerne auf sich.

Mit dem Arbeitsvisum kann man sich nun in das Work-and-Travel-Leben stürzen. Man kann lange Tage in der schreienden Hitze Äpfel pflückend verbringen und sich Gedanken über das Leben, den Sinn von Bildung und einem qualifizierten Job machen. Man lernt, was sparen heißt. Man lernt, dass Arbeitsklamotten schneller zu ‚riechen‘ anfangen. Und man lernt, dass das Leben doch nicht nur Spiel und Spaß ist.

Wenn man dann entweder die Schnauze oder die 12 Wochen für die Verlängerung voll hat, kann man die nächste Stufe zünden. Man geht zu seiner Gastfamilie und..nun, davon werde ich zu reiferer Zeit mehr berichten.

Die Rechnung in Monaten ist nicht schwer. Mein Fall sieht so aus:
1 Monat mit Touristenvisum
12 Monate mit dem Working-Holiday-Visum
3 Monate als Verlängerung des WHV

Wenn ich zu meiner Familie gehe, werde ich bereits 5 Monate hier in Neuseeland verbracht haben. Bleiben also noch 11 Monate. Die letzten davonmöchte ich zum Reisen auf der Südinsel nutzen, sodass mir 9-10 Monate in der Familie zur Verfügung stehen.

Ein anderer Nachteil ist aber, dass man sein Flugticket verlängern muss. Denn bei der Einreise als Tourist muss man ein Rückflugticket vorlegen. Es ist kein Problem, ein Flugticket zu verlängern (kostet nicht die Welt). Aber Flugtickets sind nur für die Zeitspanne von einem Jahr verlängerbar. Da mein Aufenthalt hier darüber hinausgeht, musste ich meinen Rückflug verfallen lassen und werde mich nach einem neuen umsehen. Vielleicht hätte das auch besser laufen können, also sprecht unbedingt rechtzeitig mit eurem Reisebüro…
Nichtsdestotrotz (deutsche Wörter klingen immer komischer 😀 ) ist auch dieser Umstand die zusätzliche Zeit hier am Ende der Welt voll wert.

Unter anderem deswegen:
Die meisten Au Pairs kommen direkt in ihrer Familie an und viele verlassen sie auf dem direkten Wege nach Hause. 1 Jahr Au Pair sein, etwas reisen zwischendurch, Ende. Das war anfangs auch mein Plan, aber der hat sich ja maßgebend geändert.
Ich werde bei der Ankunft in der Familie schon im neuseeländischen Leben angekommen sein. Ich habe dann nämlich schon Straßen und Supermärkte, Tankstellen und Umgangsformen, Lebensmittel und Sprache kennengelernt. In meinem Aufenthalt stellt das Au-Pair-Sein somit zwar den zentralen Punkt dar, aber es ist lange nicht der einzige Inhalt.
Und nach meiner Reise auf der Südinsel kann es sogar ein kleines ‚Wiedersehen‘ mit der Familie geben, bevor ich endgültig heimkehre. Ich reise, arbeite, bin Au Pair, reise wieder und danach geht es nach Hause. Nach 16 Monaten Neuseeland…

Bei einem Roadtrip ging es wie so oft bergauf und ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Neuseeland ist SO wunderschön!

Merke: Für Ausflüge mit der Kamera eignen sich Sonnentiefstandsstunden am besten. 😉

Sogar diesen Platz habe ich am Ende des Roadtrips gefunden. Ein Weltrekord nur 100km von meinem aktuellen Zuhause entfernt! 😀
(Der Name beschreibt einen Hügel und ist eigentlich ein ganzer Satz.)

Kleine Zwischenmeldung

Weiße Folie ausspannen, weiße Folie einsammeln, so geht es jeden Tag. Ein paar Tage habe ich auch gepflückt und bin tatsächlich schneller geworden. 🙂
Letztens bemerkte der Vorarbeiter einen Fakt: Ich bin sehr viel dünner geworden, seit ich auf der Plantage anfing. Ich bin froh, dass ich mich daheim auch selbst neben meiner Reisetasche gewogen habe. Denn ansonsten könnte ich nicht mit so viel Gewissheit bestätigen dass ich bereits 10kg abgenommen habe! 😀

Alltag formt sich auch allmählich. Aufstehen, was essen, was einpacken, ab zur Arbeit, Arbeit, im 70 Grad heißen Auto zurückfahren, daheim duschen, was essen, Kontakte pflegen, etwas Unterhaltung, etwas Eis naschen, ab ins Bett, Müll träumen, Wecker klingelt, nochmal von vorn…

Ich habe im Laufe meiner Reise sehr viel über mich selbst gelernt. Unter anderem dass man der herzensbeste Mensch sein kann, aber lang nicht jeder das auch so sieht.

Ich kann mir immer weniger vorstellen, auf der rechten Seite zu fahren. Ich reinige Müll für die (offensichtlich äußerst penible) Müllabfuhr und wasche Geschirr mit dieser unnützen Bürste. Ich lebe unter waschechten Kiwis, esse Meatpies (Fleischkuchen, Oma; sollten daheim unbedingt Standard werden 😉 ) und die Flat ist immer noch toll…

Oliver und die Obstbäume

Kapitel 1:

Unbarmherzig knallt die ungebremste Sonne durch das Ozonloch auf meine Schirmmütze. Sie tut ihren Dienst und hält meiner Kopfhaut den Sonnenbrand fern, sowie sie einen Großteil meines Schweiß‘ daran hindert mein Gesicht herab zu fließen. Dennoch löst sich ein Tropfen von meiner Augenbraue und hinterlässt eine fette Schliere auf dem Brillenglas. Egal, denn an dieser Stelle kommen wieder die angenehmen Gedanken auf; nämlich der Moment als ich dieselbe Mütze als Geschenk von meinem Bruder am letzten Weihnachtsfest in Deutschland erhielt. Hatte sie in weiser Voraussicht auf kältere Tage hier eingepackt und nun hält sie als Sonnenschutz her. Naja, ein bisschen stylischer sieht mein Spiegelbild jetzt auch aus. Win-win-win…

Ausdrücke spontanen Unbehagens bleiben unausgesprochen und werden als resignierendes Stöhnen über meine Lippen gepresst als ich unter dem Baum hervor krieche wie Gollum (nicht so wichtig, Oma). Will mich nicht an Ästen und halb reifen Äpfeln stoßen, aber auch nicht auf meine Knie niederlassen. Die sind diese Anstrengung nicht gewohnt und deshalb fühle ich sie intensiv als ich mich aus der Hockstellung aufrichte und in der Hitze zum nächsten Baum wanke.
Runter, Muskelkater, die Gummiseilkonstruktion zwischen Baum und weißer Folie befestigt, alles gespannt: Ja. Weiter. Meine mangels großer Auswahl schwarz gehaltene Arbeitskleidung lässt in Kombination mit der weißen Folie unter und mithilfe der Sonne eine gewisse thermische Situation entstehen, die den Kreislauf schwer beansprucht. Aber ich bin ja stark und ich bilde mir dabei ein, abzunehmen. Ihr habt eure Sauna, ich habe meine. Immerhin kommt von den 3 Litern Wasser noch nichtmal genug in der Blase an während eines ganzen Arbeitstages…

Die Reihe ist zuende. Ein Apfel lacht mir herzlich und mit geröteten Wangen zu. Da kann man doch nicht widerstehen… Während ich meine Zähne durch das von der Sonne aufgewärmte Fruchtfleisch grabe, denke ich darüber nach was mir zu der weißen Folie erzählt wurde. Sie reflektiert nicht nur das Sonnenlicht und lässt die unteren Äpfel rot werden, sie sorgt auch für einen drastischen Temperaturanstieg, welcher den Äpfeln in Verbindung mit der nächtlichen Kälte einen Reifeboost (oder -schub) beschert. Nun, das mit der Temperatur stimmt auf jeden Fall, das kann niemand abstreiten der stundenlang auf ihnen herumläuft.

Die Folienstücke sind bis zu 250m lang und bestehen aus grober Zeltplane. Macht ordentlich Hornhaut nach einer Zeit. Sie werden nach Bedarf in den langen Reihen ausgespannt und zur Ernte wieder eingeholt. Für die Aktion stehe ich hinten in einer großen Kiste, während sie von einem antik anmutenden Traktor mit Gabelstaplerfunktion die Baumreihe entlang gefahren wird. Es heißt stopfen und stopfen, egal ob man Schlammtortenstückchen wegen des Staubes im Mund hat oder ob die Folie klatschnass ist. Wenn das zweite Ende oben drauf liegt, kommt der spaßige Teil: Man setzt sich in das weiche Nest (natürlich nur, damit nichts wegfliegt) und die Kiste wird etwas abseits abgestellt. Eine halbe Minute Fahrtwind und hunderte reifer Äpfel ziehen verführerisch an einem vorbei…

Kapitel 2:

Ich mochte es immer mir nach der Gartenarbeit die Hände zu waschen. Es sah so nach harter Arbeit aus, wenn das Wasser sich im Becken braun färbte.
Nun stehe ich verschwitzt vor der Duschbrause und versuche den Code richtig anzuwenden (links, rechts, links, rechts, rechts). Endlich, meine Temperatur. Ich wende die Brause meinen Armen zu und bemerke das oben genannte Phänomen am Boden der Duschwanne. Wow, das ist mal Dreck. Nach meiner körperlich wenig anstrengenden Berufskarriere erfüllt mich in solchen Situationen so etwas wie Stolz, etwas geschafft zu haben. Ja, sogar mal richtig ‚gearbeitet‘ zu haben.

Ich lasse Duschgel und Shampoo in der Dusche zurück und gehe auf mein Zimmer. Im Hostel wäre das undenkbar, aber nicht in einer WG. Hier kennt man die Leute, hier hat man Vertrauen zueinander. Und die Schuldigsprechung ist in Zweifelsfällen auch unkomlizierter… Mein Raum ist für eine Person angemessen groß, ich habe mich auch schon eingerichtet. Seit ein paar Tagen wohne ich hier, am anderen Ende von Hastings, welches meiner Arbeitsstelle näher liegt.
Das Hostelleben und einige liebe Reisefreunde habe ich zurücklassen. Aber man kann sich ja immer noch in der arbeitsfreien Hälfte des Tages sehen… Über die Vorteile einer WG werde ich mich an anderer Stelle auslassen.

Nach einer entspannten Mahlzeit wende ich mich den Pflichten zu. E-Mails, Kreditkartenrechnungen, die Wäsche, Einkäufe, etwas Musik, ein gekühltes Getränk dabei und es geht beschwingt ans Werk.

Kapitel 3:

Tag 1. Ich habe an einem dürftigen Geschirr eine große Pflückertasche (Picking Bag) vor meinem Bauch hängen und pflücke meine ersten Äpfel. Es ist wichtig dass sie rot sind. Keine orangefarbenen oder braunfarbenen Töne, nein. Wir sind hinter den richtig rotbackigen her. Die Tasche fasst etwa 20 Kilo an Äpfeln. Die Äpfel sind vorsichtig zu behandeln, denn sie dürfen keine Art von Druckstelle erhalten. Das heißt dass sie in die Tasche gelegt (nicht geworfen) werden und auch mit höchster Vorsicht in die Kiste gelassen werden. Dafür gibt es am Boden der Tasche eine praktische Vorrichtung. Ein so genannter Bin soll gefüllt etwa 400kg wiegen… Es gilt, an einem Tag so viele wie möglich zu füllen. Über 2 konnte ich es aber nie bringen… Die Profis machen je nach Sorte und Umständen 5-12 am Tag voll.
Die Bäume sind jung, es wird keine Leiter benötigt. Am ersten Tag habe ich noch auf meine Ohrhörer verzichtet und musste mich auf die Stimmen in meinem Kopf einlassen. Es kann schon bald wahnsinnig langweilig werden und das Bild der einzeln gepflückten Frucht verschwimmt.
„In Neuseeland sind die Kirschen gigantisch, fassen sich an wie übergroße Radieschen und schmecken nach Apfelsaft.“ Das blieb auch der einzige Tag ohne externe Unterhaltung im Ohr.

Bald kam die Leiter dazu und auch die Apfelsorte die wegen besonderer Verwundbarkeit ohne Stiel in die Kiste muss. Das heißt: Nur die reifen, knallroten Äpfel pflücken, vorsichtig mit dem Seitenschneider (ließ Erinnerungen aus der Ausbildung wach werden) den Stiel stutzen und behutsam in die Tasche legen. Die Leiter hoch, sich mit der schweren Tasche balancieren und wieder das Spiel mit der Suche nach reifen Äpfeln, Stiel rausknipsen, die Tasche wird schwerer, keine Äpfel übersehen, runter, weiter.
Der Lob des Vorarbeiters motiviert, aber der gilt nur meiner ausgezeichneten Farbwahl und nicht meiner Schnelligkeit. Meine Prioritäten liegen falsch. Und man wird nicht nach Qualität, sondern nach Quantität bezahlt. Aber es ist noch kein Meister von der Leiter gefallen und ich werde bald besser werden. Irgendwie schaffen die anderen das ja auch…
Nur dass mir der aktuelle Job mit der Folie weitaus mehr gefällt. Stündliche Bezahlung und Kontinuität der Arbeit sprechen meinem Gehirn einfach besser zu. Mal sehen ob das der Vorarbeiter auch so sieht…

Als Belohnung für das Lesen gibt es jetzt einige Fotos, die ich am Morgen eines sonnigen Arbeitstages schoss.

250m passen nicht ganz bündig in einen ‚Bin‘.

Anblicke wie dieser versprechen schnelles Geld, allerdings eher für geübte Hände…

So sieht es vorher aus…

…und so danach. 😀

Wo man auch hinsieht, Millionen und Abermillionen an Äpfeln…

A ga a dschaa‘!

Herzlichen Glückwunsch, jetzt können Sie „I’ve got a job!“ („Ich habe eine Arbeitsstelle!“) im allernachlässigsten Englisch aussprechen! 😀

Ja, morgen geht bei mir die Arbeit los. Der Ernst des Lebens. 🙂 (Noch kann ich Smileys machen.)
Die Äpfel sind reif und können gepflückt werden UND ich bin mit dabei…
Wird aber auch Zeit, wenn ich ehrlich bin. Der Grund, warum ich diese Arbeit tun will ist ja immer noch, neben der Kohle, die Zulassung für die Visumsverlängerung. Und das wird für die nächsten Monate etwas mehr Routine in meinen Wochenablauf bringen. Kein exzessives Ausschlafen mehr, keine Roadtrips zu schönen Stellen der Gegend weil man sonst nichts besseres zu tun hat, keine Kinoabende mit Nachos und Dip bis spät in die Nacht (Kino = Lenovo + Bose Soundlink Mini 🙂 )…

Die letzten Tage waren sehr toll mit all‘ diesen Elementen. 🙂
Ein paar Aktionen haben wir mit einer Gruppe deutscher Work’n’Traveller (woher sonst 😀 ) steigen lassen. Dieselben gehören auf alle Fälle zu den angenehmsten meiner Bekanntschaften hier in Neuseeland.

Ocean Beach. Name ist Programm.

Am Strand durfte ich erstmals (ja; gibt so Sachen, die ich bis jetzt noch nicht gemacht habe…) den Traum leben, den Sand in Richtung Meer zu beschreiten und mich in die Wellen zu legen. Bis jetzt hatte ich wenn, dann flüchtig den Steinstrand in Napier, den Hafen in Wellington, das Mittelmeer auf Mallorca oder halt die Nordsee und den einen oder anderen See in Deutschland mit meiner körperlichen Präsenz beehren dürfen, nicht aber das bestimmte Gewässer wo hinter dem Horizont als nächstes Stück Land Südamerika kommt.
Aber versalzen ist der Ozean immer noch…

Am anderen Tag haben wir den „Te Mata Peak“ besucht und eine kleine Wanderung absolviert. Der Ort ist die nächste höhere Erhebung der Gegend (400m) und bietet herrliche Aussichten auf die Landschaft. Es war ein recht wahnsinnig heißer Tag und die Wanderpackung war gerade so viel wie mein verweichlichter Leib vertrug. Danach wieder in den Ozean zu laufen ist der Ausgleich den man dann halt so braucht… 😀

Der Ausblick vom Gipfel. Neuseeland ist zwar sehr grün, aber nach ein paar Tagen an der Sonne sieht das Gras auch eher braun aus…

Staub auf der Linse als Effektgrundlage. Der Backpacker denkt stets praktisch! 😀

Guck mal Mama! 😀

Hört sich nach Spaß an… 🙂

Sieht auch wie Spaß aus. 😀

Meine Wandergesellschaft. 🙂

Nun, bald wird es sicher weitere Neuigkeiten und eventuell auch ein paar Nahaufnahmen von reifen Äpfeln geben… 😉

Große Freiheit

Ich habe mir ein Auto gekauft!

Die große Freiheit ist ein Mazda Lantis, Automatik, 16V, ordentlicher Zustand, nicht teuer. Erinnert an unseren Proton damals. 😉

Man ist, wo man ist. Aber es zählt auch, wo man hin KANN und wie schnell und komfortabel. Bis jetzt war ich an verschiedenen Orten, aber immer an Bus, Fuß oder liebe Leute die Hitchhiker mitnehmen gebunden.
Jetzt bin ich an einem Ort, kann aber UNABHÄNGIG größere Strecken in kürzerer Zeit und weniger Fußsohlenverschleiß hinter mich bringen. Ich kann Einkäufe weit über meine Tragkraft tätigen, kann einfach mal so in die Nachbarstadt und ja, vielleicht sogar zur Arbeit fahren…

Weiter bezieht sich jetzt mein Totalstauraum nicht nur auf meinen Rucksack, meine Hosen- und Jackentaschen und den großen Trolley, sondern auch auf das gesamte Volumen des Autos. Das hat zur Folge, dass man sich beim Erwerb verschiedener Güter keine Gedanken um deren Volumen mehr machen muss, geschweige denn so sparsam zu packen hat. 🙂

Auf diesen Moment habe ich lange gewartet. Jetzt ist es soweit!

Bis jetzt habe ich das Vehikel nur bis zum Hostel hier in Hastings gefahren und es gilt höchste Konzentration, damit man nicht zum Geisterfahrer wird. Aber es ist unglaublich! Wie als ich das erste Mal alleine in meinem Audi saß und die Gegend befuhr.

Ich habe bereits Kontakt gesucht und schon gute Aussicht auf einen Job als Blaubeeren-/ Apfelpflücker. Der Umstand, dass ich 3 Monate durcharbeiten will erleichtert die Suche erheblich. Also wird bald wieder etwas mehr Ernst und Routine und Alltag in’s Leben kommen.

Das Hostel, in dem ich aktuell bin ist wäldlich gelegen und man merkt das. Es kreisen gerade 34 Fliegen um mich rum und meine Gliedmaßen weisen komische Buckel auf die jucken. Sonst ist das Hostel sehr in Ordnung. Und der Fakt dass der Besitzer eine Statistenrolle bei Lord of the Rings hatte soll hier nicht unter den Tisch fallen. 🙂

Noch bevor ich die große Freiheit erwarb, machte ich mich auf einen Fußmarsch zum Hastings ’nahe‘ gelegenen Fluss. 6km sind zu Fuß nicht wenig, aber es hat sich gelohnt…

Heiße Luft

Wo war ich stehengeblieben?

Rotorua

In dieser wunderlichen Stadt. Ich habe dort ein paar Tage verbracht und vornehmlich die Gegend erkundet. Rotorua ist ja bekannt für seine geothermale Aktivität. Und das merkt man an jeder Ecke. Wo man auch hingeht, es gibt immer diese dampfenden Tümpel, sprudelndes Wasser aus der Erde, Löcher im Boden, Schwefelgestank. Ich habe den See in Rotorua, ein paar Parks und ‚Te Puia‘, eine Attraktion um Maorikultur mit einer Ansammlung geothermaler Wunder (und viel Schwefelduft), besucht. Von diesem unwirklich erscheinenden Flecken Erde musste ich natürlich sehr viele Bilder machen…

Was soll ich sagen? Es kocht einfach mal am Boden…

Lake Rotorua

Alles schreit förmlich nach Abenteuer.

Möwen sind doof und fies, habe ich erfahren müssen. Hoffentlich ärgert sich diese einmal über das hässliche Bild von ihr im Netz! 😀

Ein gänzlig unspektakulärer Teich im Stadtpark.

Es gibt immer abgesperrte Gebiete wo es besonders dampft, sprudelt und riecht…

Wer dringend ein Hobby sucht, hier Inspiration. 😉

Jedes Stück Natur hat seine Regeln…

Wo bin ich hier gelandet??

Hier etwas Chemieunterricht. Versteinertes Holz?

Das ist mal Kunst!! (und das ist nicht meins)

Te Puia

In Te Puia geht es sehr viel um Maorikultur. Man sieht deswegen nur Fratzen weil die Religion es verbietet, menschliche Züge darzustellen.

Habe ich das Wort ’sprudeln‘ schon benutzt?

Mudpools. Es gluckert wie Mamas Tomatensoße kurz bevor sie fertig ist…

Noch was an die Chemiker unter uns… 🙂

In Rotorua City steht der wahrscheinlich schönste Fahrradständer von allen…

Nebenbei durfte ich den für Neuseelandreisende beinahe schon obligatorischen Fallschirmsprung absolvieren. Ein einmaliges, unglaubliches und äußerst intensives Erlebnis.

YEEEEEEEEHAAAAAAAAAAAAA!!!

Zum Abschied von Rotorua habe ich Hitchhiking versucht. Mein Ziel war Taupo und es hat gut geklappt. Nach etwas Wartezeit hielt ein pensionierter Bauer an und nahm mich mit nach Taupo. Wir unterhielten uns die Zeit über über Landwirtschaft und er erklärte mir den Wandel, den das Land von Forst- zu Weidefläche durchmacht. Jetzt weiß ich auch, dass Neuseeland tatsächlich mehr Schafe als Menschen besitzt, aber dass die Zahl der Schafe sich in den letzten Jahren halbiert hat. Kühe gewinnen immer mehr an Bedeutung und die Milchwirtschaft floriert heutzutage.

Taupo

Der liebe John ließ mich am Standrand raus und ich ging guter Dinge drauflos. Wenn ich eines in Neuseeland gelernt habe, ist es, dass man alle Leute immer ansprechen kann. Also versuchte ich mein Glück bei der erstbesten Person, einem forschen Schrittes vorangehenden Mädchen mit Ohrstöpseln in den Lauschern. Dieselben waren flugs verschwunden und es stellte sich heraus, dass sie im Pak’n’Save (eine Art großhandelartiger Aldi) arbeitet, welcher 3 Minuten vom Hostel entfernt ist. Also hatte ich nicht nur eine gute Wegbegleiterin in Christin, sondern auch ein zuverlässiges Navi in der unbekannten Stadt. Zu erwähnen sei da, dass wir uns bei jedem meiner zwei Besuche in dem selben Supermarkt an der Kasse trafen. Man sieht sich halt immer 3x im Leben oder wie war das? 😀

In Taupo blieb ich nur eine Nacht, wobei dieser wunderschöne Flecken (Mittel-) Erde mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Zumal ich die Gegend ja schon aus 4.500m Höhe gesehen hatte. 😉 Aber mein Plan sah es so vor. Ich wollte in Taupo nämlich eine Bloggerin treffen, welche dort Au Pair ist. Das war auf vielen Ebenen besonders und Lake Taupo sieht mit der untergehenden Sonne und den Füßen vom warmen Wasser umspült einfach nur schön aus…

Mein Plan für den nächsten Tag sah eine weitere Portion Hitchhiker-Abenteuer vor. Nachdem ich meine Ersatztasche, welche mir in Absenz der gewünschten ja immer noch an der Backe klebt, über Wiesen und durch Schotter stückweise Richtung Highway 5 nach Napier gezogen hatte, ward mein Daumen erhört und Andrew nahm mich mit. Wir unterhielten uns angeregt über viele Themen rund um Neuseeland (Aotearoa, wie es die Maori ursprünglich nannten) und es galt wieder über die Natur des Landes zu staunen. So viel Abwechslung gibt es nur hier. Und so viel Schönes so nah nebeneinander sicher auch…

Napier

Andrew ließ mich direkt in Napier raus und ich checkte im Hostel ein. Ich hatte Lust, neue Leute kennenzulernen. In Rotorua hatte ich ein Einzelzimmer (welches den Wert von Privatsphäre wieder wichtig werden lässt) und in Taupo war ich ja nur für eine Nacht. Aber in dem Vierbettzimmer hier bin ich tatsächlich der einzige Bewohner. 😀 Nun, über 2 Nächte allein will man sich ja nicht beklagen…
In Napier (oft als wunderschön bezeichnet) ist es wunderschön! Die Stadt wird vom Art Deco (habe ich je erwähnt, das ich großer Bioshock-Fan bin?) dominiert, das Wasser ist blau, es ist auch hier heißer Sommer.
Hier in Napier traf ich dann Klaus und Jennifer, dieselben die mich anfangs in Wellington zum Hostel brachten. Ich wurde nicht nur mit köstlicher Speise bewirtet, sondern auch mit dem Angebot mir bei der Jobsuche behilflich zu sein.

Danke Papa für’s Reparieren. Mögen sie mir noch lange treu zur Seite stehen, bzw. zugrunde liegen…

In Napier stand ich zum ersten Mal vorm weiten Ozean und ich stand lange da.

Meine Pläne sahen ja erstmal die Südinsel als Reise- und Arbeitsziel vor, aber in den 3 Monaten die mir zum Arbeiten für die Visumsverlängerung bleiben wird für’s Reisen dort nicht viel Zeit bleiben. Zumal ich auch in 3 Monaten meinen Au-Pair-Job in Wellington antreten werde…
Vielleicht arbeite ich lieber in Hawke’s Bay und vertage die Südinsel auf später. Das sind die aktuellen Überlegungen. Erst muss ich zwecks Kontoeröffnung aber nach Wellington zurück (diesmal mit Bus, also keine Sorge 🙂 )…