Es gibt 2 Wege: Entweder bloggt man an jedem Tag über seine neuen Eindrücke (und das sind viele viele viele), oder man lässt die erste Arbeitswoche ganz ungestört auf sich wirken und berichtet in der Rückschau auf das Erlebte.
Ich habe mich für Letzteres entschieden. 🙂 Lest nun die geballte Masse an Erlebnissen meiner ersten Arbeitswoche als Au Pair:

Man befindet sich in der Situation, selbst den Bodenwischeimer zu füllen und die Böden zu waschen (sind glücklicherweise nicht viele Flächen).
Man befindet sich in der Situation, seinen Willen gegen den eines aufbegehrenden Kindes durchzusetzen, Strafen aufzuerlegen, streng zu sein.
Man befindet sich in der Situation, Kinder nach dem großen Sturm in die Arme zu schließen und ihnen zu zeigen dass man sie trotz allem immer noch lieb haben wird.
Man befindet sich in der Situation, den Tag zu planen, vorauszudenken und dann mit einem reibungslosen Ablauf belohnt zu werden.
Man befindet sich in der Situation, wo man sich um die Wäsche sorgt, darauf achtet dass die Schuluniform auch sauber ist und man hinter die Kulissen des ewigen Kreislaufs blickt.
Man befindet sich in der Situation, Mehl, Butter, ganz viel Zucker und vergleichbares zusammenzumischen und mit banger Hoffnung in den Ofen zu schieben.
Man befindet sich in der Situation, wo man in zufriedene Gesichter sieht, die eine Mahlzeit hinter sich oder die sortierte Besteckschublade gesehen haben.
Man befindet sich in der Situation, an einem Dance-off zur Abwechslung von den Hausaufgaben der Kinder teilzunehmen.
Man befindet sich in der Situation, wo man begreift dass etwas heißes Wasser und Seife im Spülbecken den Abwasch erstaunlich einfach erscheinen lassen.
Man befindet sich in der Situation, wo man merkt dass es nicht nur für die Kinder gut ist, wenn sie früh schlafen gehen. Für die Erwachsenen ist das nämlich auch was ganz tolles. 🙂
Man befindet sich in der Situation, in Eigenregie Katzenkotze vom Teppich zu entfernen.
Man befindet sich in der Situation, sein Leben rund um die Uhr als Vorbild zu gestalten, zu seinen Prinzipien und Aussagen zu stehen und dabei noch fair und weise zu handeln.
Man befindet sich in der Situation, seine eigene Zeit sinnvoll einzuteilen, die wichtigen Sachen zuerst zu erledigen damit nachher genügend Zeit zum Faulenzen bleibt. (Mit reinem Gewissen, versteht sich. 🙂 )
Man befindet sich in der Situation, seine eigenen Vorlieben und Gewohnheiten hintenan zu stellen und sich in vielen Bereichen anzupassen…

 

 

 

 

Meine Aufgaben sind es, morgens dem Jungen bei seinen Hausaufgaben zu helfen (zur Zeit eher zu motivieren) und etwas von meinen täglichen Aufgaben zu erledigen, bevor ich ihn zur Schule bringe. Die Schule ist so ziemlich nebenan, sodass das mein täglicher Spaziergang ist; außer im Regen, wir sind ja schließlich aus Zucker. 😀
Jeden Tag ist es mein Job, den Wäschekreislauf in Bewegung zu halten, das heißt die Wäsche aus der Waschmaschine auf die Leine (wenn’s regnet drin, weil Zucker oder so) hängen und nachher den jeweiligen Besitzern zuzuordnen. Das ist momentan noch etwas schwer, aber ich hoffe die Kinder tauschen das unter sich aus. 🙂
Neben generellem oberflächlichem Ordnung halten ist an 4 Tagen der Woche auch das Abendessen von mir auf den Tisch zu bringen. Gerade in der ersten Woche ist das ganz schön abenteuerlich, denn wann habe ich schon mal Meatpies gebacken oder Chicken-Nuggets selbst paniert? Aber es ging (dank sauberer Instruktionen und dem was von Zuhause in meinem Kopf übrig ist) glatt und zu aller Zufriedenheit aus…
Was sehr gut ist, dass ich tatsächlich für alle meine Aufgaben eine Liste habe. Die Familie hatte schon einige Au Pairs, was sehr viel Sicherheit im Umgang miteinander bietet. Man selbst ist zwar neu, ein Au Pair aber schon lange nicht mehr.
Am Nachmittag hole ich meinen Jungen von der Schule ab und wenn die Mädchen nach Hause kommen, gibt es bald Essen und an jedem Tag Aktivitäten. Sei es Schwimmunterricht, Taekwondo, Rugbytraining, und so weiter. Meine Aufgabe ist es, die Kinder dort hinzufahren und ja darauf zu achten dass sie davor genug gegessen haben. Aber mit dem guten Plan meiner Hostmum ist das alles zu schaffen. 😉
Jeden der 5 Tage gibt es dann noch spezielle Aufgaben, wie mal durchsaugen, wischen, was backen, Mikrowelle Putzen… Alles in allem sehr gut zu schaffen, sodass einige freie Zeit bleibt am Tag.
Und die nutzt man dann etwa so wie die Haustiere:

 

 

ZzzzZzzzZzzzZzzzZ

 

 

Man kann sich beinahe daran gewöhnen, jeden Tag neues zu lernen und neue Dinge zu tun. Doch mit jeder Tätigkeit, die man ein zweites Mal macht wird einem bewusst: Bald wird das alles Alltag sein, bald werde ich all das blind können, keine Liste mehr brauchen, keine grundlegenden Fragen mehr stellen müssen. Dann zählt nur noch, mit wie viel Begeisterung man den neuen Tag betritt…