Danke an Susi, die diesen Artikel ins Rollen brachte. 🙂

Ich habe hier und da erwähnt, dass ich mich besonders auf die Art der Leute hier freue. Und nach fast 3 Monaten (gefühlte 3 Wochen) möchte ich mir anmaßen, verbindliche Aussagen dazu zu treffen. Dieselben beziehen sich auf die Neuseeländer, nicht auf die Mitreisenden.

Wenn man nach einer Flut von freundlichen Menschen Ausschau hält, die einem bei der Ankunft entgegen eilen und dich herzlich Willkommen heißen, wird man wohl ernüchternd feststellen müssen dass die Menschen hier eben auch nur Menschen sind.
Es gibt den schweigenden Geschäftsmann, der mit wehendem Jackett an dir vorbei eilt, es gibt die strenge Mutter im Supermarkt, die ihrer Tochter ungeduldig das „Wie bitte?“ (auf englisch „Pardon?“) zu lehren versucht, es gibt auch hier finster dreinsehende Leute denen man aus dem Weg gehen will.
Es gibt den Workaholic, der auf seinem Traktor eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt (hier ist ausdrücklich KEINE Parallele zu meinem Lieblings-Staplerfahrer zu ziehen), es gibt die ungepflegt und verwirrt aussehende Dame, die mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Gänge des Supermarkts zischt, es gibt auch hier den Menschen, der einen überschwänglichen Gruß nicht erwidert.
ABER es existiert eine ganz entscheidende Verschiebung in der Art der Menschen. Eine Verschiebung, welche die Neuseeländer eben doch herausstehen lässt.

Es ist die gelassene und stets positive Einstellung zum Leben und die äußerst niedrige Schwelle, ein Gespräch entstehen zu lassen.

Letzteres ist oft passiert. Ob man jemanden nach dem Weg fragen möchte und dann zu seinem Hostel gefahren wird und über dies noch gute Freunde gewinnt oder ob man an einem beliebigen Ort angesprochen wird, einfach mal so eine nette Konversation hat und die Personen danach nie wieder sieht.
Man lernt hier auf angenehmste Weise, dass jeder Mensch eigentlich Kommunikation haben möchte und dass da keine Hemmungen bestehen müssen.
Außerdem wird das meiste Wissen, die meisten Tipps und die besten Schnäppchen durch banales Nachfragen weitergegeben.
Das Interesse am Gegenüber scheint höher zu sein. Jeder achtet auf den anderen, es wird standardmäßig nach dem Wohlbefinden gefragt.

Wenn man um etwas gebeten wird geschieht dies stets auf freundlichste und diskreteste Weise, immer vom Besten ausgehend. Das hebelt zu meinem Leidwesen manchmal den klareren Befehlston aus und es kommt zu kleineren Missverständnissen. Nichts, was durch Nachfragen nicht zu regeln wäre… 🙂

Was aber am auffälligsten ist, sind die Redewendungen, bzw. die inflationär genutzten Ausdrücke.
Alles ist ’sweet as‘ (ja, ein S), ‚good as gold‘, ‚cool‘ oder einfach nur ’sweet‘ mit Daumen hoch, du bist jedermanns ‚Mate‘ oder ‚Bro‘. Lappalien oder ein ’sorry‘, wenn man mal vorbei muss, werden mit einem Lächeln quittiert. Du kannst der Laubeinsammelfachkraft am Wegesrand einen herzlichen Gruß zurufen und er kommt ebenso herzlich zurück.

Um die im Hinblick auf die Lebenseinstellung der Kiwis treffendste Aussage wird kein Neuseelandreisender herumkommen. Benutzt wird sie oft zum Beispiel nach ‚Danke‘ und in allen ähnlichen Situationen, die den Gegenüber als fürsorglich dastehen lassen. Sie spielt eine geradezu zentrale Rolle in allen Situationen des Alltags. Sie lautet: „No worries!“ (Es heißt: Die Sorgen bleiben dir immer fern.)