Die Universität ist nur ein paar hundert Meter von mir entfernt. Also sollte eine halbe Stunde ausreichen.
Was ich allerdings nicht so mit einkalkuliert hatte war, dass es ein paar hundert Meter Luftlinie ist und die Höhenmeter dabei noch nicht mal mit eingerechnet…

Also hastete ich die steilen Gässchen und Treppen hinauf und mein Schweiß lief ganz bald in die entgegengesetzte Richtung. Als ich schließlich nach mehr oder weniger hilfreichem Nachfragen und ein paar weiteren Metern auf dem Universitätsgelände die Musikschule betrat, hatte das Konzert zwar begonnen aber ich war nicht der einzige der es nicht pünktlich geschafft hatte. Nachdem wir die erste Spielpause abgewartet hatten, betraten wir den Saal und fanden uns mit einer beachtlichen Anzahl von Cellisten in einem etwa gerade mal doppelt so großen Publikum gegenüber wieder.

Es war herrlich. Das Cello ist schon ein feines Instrument… Nachdem ein paar klassische Stücke abgespielt waren, durfte sich jeder mit seinem Cello dazusetzen und es wurde eine Auswahl an Weihnachtsliedern gespielt. Man durfte mitsingen, aber leider habe ich noch nicht sooo viele englische Weihnachten miterlebt um die Texte zu können…
Es war wieder ein Stückchen Heimat. Eine kleine Reise in alle Weihnachtsfeiern der Vergangenheit.
Musik ist mehr als nur Geräusch.

Dieses Mal habe ich meine Kamera mitgenommen, denn ich weiß dass es etwas zu sehen geben wird. Nur habe ich weniger erwartet als ich tatsächlich sehen durfte. Ich habe mich an den (Innen-) Stadtrand begeben um auf den Mount Victoria zu steigen.

Ja, es war steiler als es aussieht. 🙂

Ich habe ja hier und da davon geschwärmt, wie nah in der Gegend des Schwarzwalds doch der Aufstieg in ‚die Berge‘ ist. Da war ich noch nicht in Wellington. Denn Wellington bietet nicht nur die Nähe zu Bergen rundherum, sondern auch wunderschöne Aussichten wenn man ein paar Schritte geht.

Ich ging erstmal von der Strandpromenade in Richtung hoch. Die kleine geschlängelte Gasse war mit Häusern gesäumt. Habe ich irgendwem mal gesagt, dass ich so eingewachsene, schrullige Häuschen gut finde? Solche findet man da fast überall. Keine Jahrhundertbauten wie in Deutschland natürlich, aber nicht weniger gemütlich anmutend.

Es roch so herrlich nach irgendwelchen Blüten…

Da erschien das Phänomen zum ersten Mal. Treppauf, treppauf, aber danach sieht man nichts. Nach ein paar Stufen komplettiert sich das Bild: Es geht wieder bergab danach. Ist ein netter Effekt mit der Sonne im Gesicht auf diese Weise einen Treppenaufstieg zu beenden.

Etwas weiter verließ ich dann die Straße und es ging in den Bush.

Dann wieder das Phänomen. Dieses Mal wurde ich nicht mit einer Straßenszenerie beschert, sondern mit einer Wiese, auf der ein paar offensichtlich auf Stil bedachte Leute den Spätnachmittag genossen. Schon hier hatte man ein betörendes Panorama von Wellington zu sehen.

Ich wollte aber noch höher. Nachdem ich einem Vogel zugehört habe, der zuerst hohl klingende Laute von sich gab, dann pfiff und krächzte (interessante Kombi) ging mein Weg weiter auf Pfaden die ich schon irgendwo gesehen habe.
Ohne viel nachzudenken erinnerte ich mich an den Fakt, dass hier die ersten Szenen für Herr der Ringe gedreht wurden. Und es sah tatsächlich so aus. Faszinierend. Nur nach Hobbits Ausschau zu halten wäre denn doch zu viel gewesen…

Wieder eine Lichtung, wieder eine Wiese, wieder ein wunderbares Panorama.

Dann nach ein paar 45-Grad-Steilhängen aus Kies und Geröll tat sich wiederum dieses Phänomen vor mir auf. Nur dieses Mal war es nicht die nächste Bergkuppel, die ich sah, sondern ein Auto. Es war der Parkplatz am Mount Victoria Lookout. (Sozusagen das Schau-ins-Land der Wellingtonier.)

Und da stand ich nun. Oben.

Ein Panorama mit extra viel Sonne und einem Hauch Wellington.

Meine Kamera kann!

Jetzt sitze ich in Miramar (das liegt quasi neben dem Flughafen Wellingtons) und habe ein besonderes Erlebnis hinter mir.
Ich habe nämlich mit einer Familie Kontakt aufgenommen, die in einem Vorort Wellingtons lebt und ein Au Pair sucht. Die Mutter arbeitet nur etwa 200m vom Hostel entfernt, also trafen wir uns dort und hatten ein Interview. Das Gespräch unterschied sich sehr von dem damals via Skype, und das war auch das was ich mir erhofft hatte.

Also stehen die Chancen nicht schlecht, ab April nächsten Jahres auf 3 Kinder und einen Haushalt aufzupassen…
Das werden wir aber noch sehen, nachdem ich mit dem aktuellen Au Pair gesprochen habe. Bis jetzt hört es sich auf jeden Fall sehr gut an.

In Miramar gibt es ein ganz feines Kino und dasselbe hat ein ebenso feines Restaurant inne. Ich habe das Breakfast Special im Magen, es spielt feine Musik die dem Stil des Kinos entspricht, das knuddelige Baby lächelt mir über die Schulter seiner Mutter zu und der Raum wird von den Bässen des Kinosaals erschüttert.

Draußen scheint gleißend die Sonne und es ist ein schöner Tag!