Es gab keine Äpfel mehr, die gepflückt werden konnten. Sie sind noch nicht reif genug, wurde uns gesagt. Was für die Reisekasse nichts sonderlich Gutes bedeutet, freut dagegen den müden Körper.

Die 2 freien Tage würde ich für eine kleine Reise nutzen, sagte ich mir und informierte mich über das Angebot der Gegend.
Viele würden sicher sofort in ihrem Reiseführer oder im Netz suchen, aber Neuseeland lehrt anderes. Ich fragte einen Einheimischen, der nebenbei noch unser gütiger Vorarbeiter ist und dessen Maori-Wurzeln bis zu den Anfängen Aotearoas reichen. Seine Kultur beschäftigt sich viel mit der Umwelt und auch mit historischen Hintergründen. Und er empfahl mir unter vielen anderen Vorschlägen nach Mahia zu fahren. Das ist eine Halbinsel am nördlichen Ende des Küstenverlaufs von Hawkes Bay.
 
Dort hatte er seine Kindheit verbracht und dort seien auch seine Vorfahren erstmals in Neuseeland an Land gegangen. So weit, so vielversprechend… 🙂
Meine Mitbewohner bescheinigten mir den Ort als (unter Einheimischen, weniger unter Touristen) beliebten Urlaubsort und so ging es dann mitsamt Kamera und Schlafsack los.
 
In Neuseeland darf man nicht mehr als 100km/h fahren. Hört sich für uns Deutsche wie eine Strafe an, aber wenn man sich das genau ansieht ist es gerechtfertigt: Die Autobahnen sind (außer Reichweite der Metropolen) bestenfalls mit einer Landesstraße zu vergleichen und zu 90% unmöglich mit (erlaubter) Höchstgeschwindigkeit zu bewältigen. An den Kurven gibt es meistens Richtgeschwindigkeiten, damit man sich nicht verschätzt. Ist für Touristen sehr hilfreich. 😉
 
Die große Freiheit genießend hielt ich überall nach Lust, Laune und Abbiegemöglichkeit an und schoss Fotos. Der erste Halt war am Lake Tutira.

Haus am See

Das Mohaka Viadukt (erbaut 1936, fungiert als Eisenbahnbrücke) ist mit 95 Metern das höchste Bauwerk seiner Kategorie in ganz Australasien.

Im Wald roch es nach Ziegen und ich sah auch welche in einiger Entfernung. Direkt neben dem State Highway 2 leben also Ziegen im Gebüsch, gut zu wissen.

In Mahia checkte ich auf einem, dank Nebensaison sehr günstigen, Holidaypark ein und parkte auf einem der wenigen Plätze mit Meerblick. Ein Holidaypark ist im Grunde ein Hostel ohne Zimmer, weil man mit eigener Behausung (Auto, Zelt, Wohnmobil) anreist.
Aber das Ankommen war nur ein Teil meines Plans…

So möchte man Willkommen geheißen werden.

Ich änderte meinen Standpunkt, um einen klaren Blick gen Westen zu bekommen. Denn obwohl die Sonne hierzulande mittags im Norden steht, geht sie dennoch im Westen unter…

Das bin übrigens ich ohne Bart. 😉

Wolken können auch Schatten auf die Unterseite anderer Wolken werfen.

Nachdem ich die Sonne gebührlich verabschiedet hatte, fuhr ich dann zurück und verbrachte meine erste Nacht im Auto. War ganz schön kalt, aber man muss manche Dinge im Leben ja mal gemacht haben… 😀
So fiel es auch nicht schwer, den Schlaf zu unterbrechen und eine Strecke zu fahren um den Aufgang der Sonne mitzuerleben. Das Gute an der Halbinsel ist, dass sie wie im Westen, so auch im Osten freien Blick auf das Meer gibt. Ich kann nur sagen, dass es sich lohnt! Steht früh auf, geht an einen schönen Platz und genießt dieses überwältigende Spektakel der Natur. Ob ihr währenddessen den Auslöser eurer Kamera oder jemand anderen drückt, bleibt eure Entscheidung. 🙂

Endlich meldet sich die Sonne…

…und der Himmel brennt.

Es wird licht in Neuseeland. Alleine der Wechsel von dunkel zu hell ist majestätisch.

Es ging für mich noch etwas hin und her auf der Halbinsel, bevor ich mich auf den Rückweg machte.

Auch wenn dies und das auf Bildern gut aussieht; wenn man davor steht, ist es viel viel schöner…

Tadaa, wieder was zum ersten Mal: Meine erste Portion Fish-and-Chips. Eins der Nationalgerichte… 🙂

Mein Vorarbeiter sprach auch vom ‚White Pine Bush‘, woran ich auf dem Hinweg erst vorbeifuhr. Jetzt hielt ich aber und durfte mich (als passionierter Tarzan-Fan) dem Anblick des Dschungels hingeben.
Wieder direkt neben dem Highway gelegen, ist das ‚White Pine Bush‘ – Reservat ein totaler Kontrast zur Umwelt. Es ist zwar nachträglich Touristen zugänglich gemacht worden, aber man fühlt sich nicht minder von der Natur umarmt…

Lianen gibt’s! 😀 Hatte leider meinen Lendenschurz nicht dabei, ansonsten hätte ich mich an den Lianen hochgeschwungen und wäre für ein paar Tage im Dickicht verschwunden und hätte Leoparden gejagt, Gorillas gesucht und mich nur von Früchten und Termiten ernährt… 😀

Die Wurzeln der Kahikatea-Bäume dort sind gewaltig.

Ich hole jetzt mal die Wäsche rein, nachher gibt es Auflauf mit so ’ner Tomatensoße aus dem Glas (ist irgendwie in meinen Einkaufskorb gefallen), Hähnchenbrust und Nudeln. 🙂
Morgen dann wieder zur Arbeit und so geht der Alltag… Aber bald, bald wird der letzte Apfel gepflückt sein und dann fängt ein ganz neues Kapitel an…